25.02.2022

Briefe



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ID: 8666
Geschrieben am: Dienstag 27.03.1855
 

Geliebter Freund,
Tausend Dank für Ihren heutigen so lieben Brief an mich, wie mich Alles darin erfreut! Nachträglich dann noch besondern Dank, daß ich Ihrer Frau durch Sie den allerschönsten Gruß bei ihrer Ankunft geben konnte. Ihr Brief an sie kam einige Stunden eher wie sie selbst.
Wie freute ich mich, daß Sie Joachims Variationen kennen gelernt haben. Ihre Wonne drüber wußt ich zum Voraus. Auch mir sind Joachims Werke unbegreiflich schön u. neu. Ich freue mich auf jedes neue wie auf ein Ereigniß.
|2| Nächstens schicken wir Ihnen seine Heinrich-Ouverture; doch das schönste bringe ich Ihnen immer lieber selbst, so auch wohl diese Ouverture, höchst ungern ließ ich’s mir nehmen. Sie werden die höchste Freude darüber haben!
Wie begegnen sich unsre Gedanken so oft! ┌Was┐ Sie <sch> von Verhulst schreiben, hatten wir schon bedacht, Sie verlangen noch einen Atlas u. ich dachte schon von selbst, Ihnen den schönen zum Humboldt zu schicken.
Jetzt lege ich den Schuberth bei, wünschen Sie den Andern, so bitte ich Sie, mir es zu schreiben.
Die arrangirten Paganini-Etüden ha<tt>ben wir Gestern vergessen beizulegen, hier sind sie.
|3| Recht lang ist mir die Trennung von Ihrer Frau geworden, es ist auch wirklich genug fast wenn wir Zwei uns nach andern Zwei Sie u Joachim sehnen, wir brauchen doch nicht Alle von einander zu gehen!
Recht froh will ich den Frühling begrüßen u. die schönsten Pläne u. Hoffnungen für ihn u. den Sommer festhalten.
Noch herzlichen Dank, daß Sie so überaus freundlich meine Fis moll Sonate angesehn haben. Sie haben aber zum Glück selbst geschrieben, daß gewiße Menschen (sonderlich Sie) oft die Sterne entdecken, wo Andre nur Nebel sehen – u. wo vielleicht wirklich nur Nebel ist.
In herzlicher Liebe u. Verehrung
Ihr
J

|4| Herzinnigsten Kuß, mein Robert, Du heißgeliebter Mann! Nun hast Du wohl meinen Brief vom Sonntag? wirst Du auch mir bald wieder schreiben? was sind uns doch Deine Briefe – welch Glück! und wie beglückt mich immer von Neuem auch unser musikalisches so inniges Einverständnis! wie theile ich so jedes Deiner Gefühle auch darin! Und daß Du’s so liebend immer aussprichst!
Ach, könnte ich einmal Dich an mein Herz drücken!
Denke an mich, wie an Dich denkt
Deine
Clara.
Düsseld. d. 27 März 1855.

  Absender: Brahms, Johannes / Schumann, Clara, geb. Wieck Clara (3169)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort: Endenich
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 3
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Johannes Brahms und seinen Eltern / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-014-8
346f.

  Standort/Quelle:*) D-B, s: Mus. Nachl. K. Schumann 7,31
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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