19.12.2019

Briefe



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ID: 15 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 05.11.1842
 

Leipzig, Samstag, 5. November 1842

Verehrtester Herr Hofmeister,

Der vorgestrige Abend und der Antheil, den das Publicum meiner Symphonie [op. 38] schenkte, haben mich an ein anderes Orchesterwerk [op. 52] von mir erinnert, das ich nun auch gern in die Welt schicken möchte. Sie haben es vielleicht in unserm letzten Concerte gehört, aber freilich nich nicht in der Vollkommenheit. Ich will es nennen, wie auf dem Beiblatt geschrieben steht; es unterscheidet sich von der Form der Symphonie dadurch, daß man die einzelnen Sätze auch getrennt spielen könnte, namentlich verspreche ich mir aber von der Ouverture guten Erfolg. Das Ganze hat einen leichten freundlichen Charakter; ich schrieb es in recht fröhlicher Stimmung.
Könnten wir uns nun über den Verlag des Stückes verständigen, so sollte es mich freuen, es so thätigen Händen anvertraut zu wissen. Meine Honorarforderung hab’ ich gleichfalls auf dem Blatte bemerkt; ich wünsche, daß Sie sie billig finden.
Nach meinem Ueberschlag würden die Orchesterstimmen circa 4 Th., der Clavierauszug höchstens 2 Th. zu stehen kommen. Namentlich von letzterem verspreche ich Ihnen ein gutes Geschäft. Möchten Sie dies nun Alles auch so finden und jedenfalls das Ganze zur Wahrheit werden. Noch wegen einer anderen Geschäftssache wollte ich Sie fragen. Sie verlangten auf dem letzten Abrechnungszeddel meiner Impromtus [op. 5] noch einige Exemplare. Ich habe keine mehr - möchte aber vielleicht das ganze Opus mit den Platten verkaufen; dasselbe möchte ich mit meinen Davidsbündlertänzen [op. 6], die bei Friese erschienen, und, da dieser kein Musikhändler ist, fast gar nicht bekannt worden sind, was sich gewiß ändern wird, sobald sich ein ordentlicher Verleger dafür interessirte; denn <di> gerade diese Stücke müßten leicht Anklang auch in Dilettantenkreisen finden. Statt des mystischen Titels, oder unter ihn auf einem neuen Blatt müßte man vielleicht: „ Zwölf Charakterstücke“ setzen. Von den Davidsbündlertänzen werden noch circa 170 ganze Exemplare vorräthig sein.
Ueberlegen Sie sich nun gefälligst auch diesen Vorschlag und lassen mir wohl bald eine Antwort zukommen. Da ich die neuerschienenen Symphonie nächstens in meiner Zeitung besprechen möchte, so wäre es mir lieb, die Partitur der F. Müllerschen recht bald zu erhalten. Ist das Heller’sche Scherzo fertig, so legen Sie es ebenfalls bei.
In Hochschätzung
Ihr ergebener
Robert Schumann
D. 5ten Nov. 42.

Herrn
Friedrich Hofmeister
Wohlgeboren
Hier.

[Beilage]
2te Symphonie
(Ouverture, Scherzo und Finale)
für Orchester etc.
Ouverture, Scherzo und Finale: Pr. –
Ouverture besonders: Pr. –
Honorar 20 Louisd’or.

[BV-A, Nr. 899:] Wegen Symphonie in < > E [op. 52] – 20 Ldor Honorar verlangt – Vorschlag wegen der Impromtus [op. 5] u.
Davidsbündlertänzen [op. 6]

[nach: III.3, S. 262-263.]

  Absender: Schumann, Robert (1455)
Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Hofmeister, Friedrich (727)
  Empfänger-Institution: Hofmeister
  Empfangsort:
  SBE: III.3, S. 262ff.
 



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