25.02.2022

Briefe



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ID: 7731
Geschrieben am: Samstag 14.04.1877
 


Düsseldorf1 d. 14 April 1877
Liebe Frau Volkland!
Wie lange schon hätte ich Ihren lieben Neujahrsbrief gern beantwortet, wenn ich es nicht immer eigenhändig thuend zu können gehofft hätte. Ich sehe aber schon daß es besser ist ich dictire jetzt, als daß Sie länger noch meiner als einer Undankbaren gedenken. Doppelt leid wäre mir dies, als ich über Ihren lieben Brief eine so herzliche Freude hatte, auch, neben dem was Sie mir Liebes sagen, <>mich freute <> ┌über┐ Ihres Manne’s künstlerische Thätigkeit zu hören.
Wir sind kürzlich von England zurückgekehrt und Marie ist in Ba¬den um unser Häuschen zur Vermiethung wieder einzurichten. Am 18ten hoffe ich mit ihr in Berlin wieder zusammen zu treffen und dann werden wir wohl bis Juli dort bleiben. Wie steht es nun mit Ihnen, liebe Frau Volkland? |2| Wo denken Sie hinzugehen? Wir wären so gern wieder mit Ihnen zusammen. Lassen Sie mich doch bald hierüber etwas wissen.
Nächsten Herbst, denke ich, wird es sich nun wohl machen daß ich in Basel spiele; theilen Sie mir aber doch gelegentlich mit, wann Ihre Conzerte beginnen, denn wir machen unsern Plan für den Herbst doch immer schon im Frühjahr, auch habe ich in Mannheim und Carlsruh [sic] Versprechen gegeben, und müßte das zu vereinigen suchen mit Basel und Zürich.
Sie werden sich mit mir freuen, daß es Eugenien so viel besser geht; sie ging, als wir nach London gingen, nach Meran, ihres Halse’s wegen und hatte dort den besten |3| Erfolg, schreibt mir neulich, sie laufe stundenweit spazieren ohne jede Ermüdung. Natürlich lasse ich sie nicht eher nach Berlin kommen, als bis das Frühjahr vollkommen eingetreten ist. Felix ist wohl nicht viel besser, Kloster’s [sic] hatte ihm zu sehr geschadet, der Arzt hat ihm aber doch gestattet, in Zürich ein Semester zu studieren, und so wird er Anfang Mai dorthin gehen.
Nun wissen Sie so ziemlich Alles von uns; was uns in England Trauriges betroffen, erzähle ich Ihnen <>mündlich, abgesehen davon, <>konnte ich nur wieder höchst befriedigt von England sein, denn ich war wahrhaft auf Händen getragen.
Wenn Sie mir schreiben, worauf ich hoffe, so theilen Sie mir doch ja auch mit, wie es Ihren lieben Eltern geht, möchte es besser sein, als Sie mir im Januar schrieben.
Von Herzogenberg’s haben Sie wohl |4| damals gehört, als Brahms in Leipzig war – es waren genußreiche Tage! Einen sehr gemüthlichen Abend verlebten wir auch bei Holstein’s.
Jetzt will ich aber wirklich schließen und Ihnen und Ihrem lieben Manne nur noch <> die Hand drücken.
In herzlicher Ergebenheit
Ihre
Clara Schumann.
Berlin, 11, in den Zelten.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Volkland, Henriette (1640)
  Empfangsort: Basel
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
245-248

  Standort/Quelle:*) D-F, s: Autogr. K. Schumann, Nr. 33
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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