25.02.2022

Briefe



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ID: 7798
Geschrieben am: Samstag 04.06.1881
 

<>Münster a/St. d. 4 Juni 1881.
Liebe Frau Volkland,
das ist uns doch sehr leid, daß Sie nicht noch etwas zu uns kommen können, aber Ihre Gründe muß ich ja freilich einsehen. Wie freue ich mich, daß Sie so reizenden Aufenthalt jetzt haben, vor allem aber, daß Sie doch etwas in die Schweiz später kommen wollen. Wir gehen, das schrieb ich Ihnen wohl, erst nach Gastein, von dort möchten wir eine schöne |2| Tour nach Flims machen da können Sie uns vielleicht rathen, wie wir sie am besten machen? Sie kennen ja alle Wege so gut. Wir dachten, wir könnten dann vielleicht über ┌Insbruck u┐ das Stilfzer Joch fahren – was meinen Sie dazu? am Ende könnten wir uns irgendwo treffen! Jedenfalls denke ich, sprechen wir uns, dann auch mit Ihrem lieben Mann über Manfred, obgleich ich, hat er Zweifel, dieselben kaum werde lösen können, und man hat eben doch nur den Anhalt an die Original-Partitur, da er den Druck Derselben nicht mehr erlebt, also auch nicht corrigirt hat.
|3| Daß es sich mit der Fillu nicht gemacht, that uns recht leid, aber Sie müssen falsch berichtet worden sein, liebe Frau Volkland. Man bot ihr 300 Mark, und wenn die Aufführung wiederholt würde 50 M. mehr, ┌also nicht 450 Mark; ┐ sie verlangte 300 M. für eine Aufführung und 100 M. mehr für die zweite, also 400 Mark im Ganzen dann, – Sie schreiben aber man habe ihr 450 M. geboten – da wäre sie ja gleich gekommen. Wie können die Herren Ihnen solche Unwahrheit sagen? Ich hätte nicht für möglich gehalten, daß die Herren um 50 Mark handeln könnten! |4| Die Fillu war aber sehr ermüdet von mehreren Engagements zurückgekehrt, u. fühlte sich umsoweniger geneigt für ein geringes Honorar sich die Anstrengung zuzumuthen. Sie hat übrigens viel Glück diesen Winter überall gemacht, u. auch viel Fortschritte gemacht. Es ist schade, wenn sie es sich in Basel verdorben hat, zum Glück hat es aber jetzt nicht mehr so viel zu sagen, denn außerdem, daß sie viel Engagements den Winter hatte, giebt sie auch viel Stunden in Frkf, und steht sich ganz gut. Daß man Frau Obernedner für 100 Frcs vorzieht, begreife<n> ich, aber nicht, warum man dann die Fillu erst aufgefordert hat – aus Mitleid haben die Herren das doch nicht gethan! |5| Verzeihen Sie, liebe, gute Frau Volkland den Erguß, den Sie durch Ihre Aeußerungen aber selbst hervorgeholt haben. Ich hoffe die Fillu hat es an v. d. Mühlen geschrieben, daß die Herren des Comitee nicht bei der Wahrheit geblieben sind – so scheint es doch nachdem, was <>Sie schreiben.
Wir sind jetzt hier in Münster bei Elise, kehren aber, leider, schon Dienstag nach Frkf. zurück. Die Luft ist herrlich hier, immer von den Salinen Frische u. Krafft durch den Geruch.
Nun leben Sie wohl, |6| genießen Sie recht Ihren Landaufenthalt – solche Freunde finde ich doch wundervoll, die es verstehen die rechte Freude zu schaffen.
Herzlich Sie Beide grüßend
Ihre
alt ergeb
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Münster am Stein
  Empfänger: Volkland, Henriette (1640)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
359ff.

  Standort/Quelle:*) D-F, s: Autogr. K. Schumann, Nr. 92
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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