25.02.2022

Briefe



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ID: 7828
Geschrieben am: Montag 24.09.1883
 

Frankf. a/M d. 24 Septbr 1883.
Lieber Volkland,
wie oft dachte ich daran Ihnen u. Ihrer lieben Frau für Alles, Glückwünsche, Correcturen ect. zu danken, aber, ich bin wahrhaft überbürdet mit Arbeit jetzt, dazu hatte ich am 13t gegen neunzig Briefe, auf welche Alle man doch gern ein Dankeswort sagt! Also, Sie lieben Beiden, haben Sie Nachsicht, und nehmen Sie den verspäteten Dank noch freundlich an. Wir haben den Tag in Baden mit den Kindern, u. Brahms, der dazu unerwartet |2| von Wiesbaden kam, sehr heiter gefeiert, vom Wetter sehr begünstigt – da ist denn ja Baden ein Paradies.
Ihre Nachrichten aus Morschach haben mich überrascht und erfreut. Wie gut, daß es Ihnen dort so behagt hat – vielleicht besser, als es bei der Thekla der Fall gewesen wäre. Wir, besonders ich, können uns noch gar nicht wieder hier unten acclimatisiren, ich habe stetes Sehnen nach den Bergen, dort war ich so viel wohler als hier. Die Schmerzen im ganzen Körper sind recht arg, und ängstigen mich, auch die Arme sind schlecht. Es mag wohl viel Schuld der Herbst haben.
Sie wissen wohl daß Brahms |3| eine dritte Symphonie fertig hat – Wüllner wird sie in Berlin aufführen. Ich kenne noch nichts davon.
Nun zu den Correcturen, also erst schönsten Dank, dann aber gleich wieder ein Paquet – darf ich? Quartett in Es, Allegro mit Horn, Volksstücke Clavier und Cello – Sie bieten mir Ihre Hülfe so freundlich an, daß ich nur zu gern Gebrauch mache. Das Paquet ist unterwegs – wäre es möglich, daß ich es bis 3t Woche Octbr. wieder hätte? – Ich wollte Ihnen noch sagen, daß ich so kleine Eigenthümlichkeiten in der Schreibweise meines Mannes z. B. ein Bogen über […] nicht streichen möchte. Es ist wohl |4| altmodisch, aber ich behalte gern die Art seiner Bezeichnungen bei wo es geht, dann sieht es auch viel besser aus. Die Einteilung von[Notenbeispiel] will mir nicht behagen, z. B. in der Sennin. Verzeihen Sie es, lieber Freund. Und nun drücke ich Ihnen Beiden recht von Herzem die Hand und bin wie immer
Ihre
getreue
Clara Schumann.
Sie sprechen von einem Concert nach Weihnachten, nun, darüber können wir später ’mal sprechen, vielleicht könnte ich das eher, als zu Zweien, wozu ich mindestens 8 Tage brauche. Wenn Sie Ihre Bestimmungen f. d. Concerte nach Weihnachten treffen, können Sie es mir ja mittheilen, oder Herr Eglinger.
[Umschlag]
Herrn
Musikdirector
Alfred Volkland.
in
Basel
(Schweiz)
Domhof.



  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Volkland, Alfred (1639)
  Empfangsort: Basel
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
427-430

  Standort/Quelle:*) D-F, s: Autogr. K. Schumann, Nr. 122
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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