15.07.2019

Briefe



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ID: 23084 Brieftext


Geschrieben am: 12.06.1896
 

Den 12. Juni 1896.

Liebe Fräulein Marie und Eugenie,

ich meine, Ihnen doch einmal sagen zu sollen, wie oft und mit wie ernster Teilnahme meine Gedanken bei Ihnen sind. Sie haben viel wirkliche Freunde, die Ihnen treu anhängen, Ihnen ganz ergeben sind - viel mehr als Sie es wissen und annehmen, denn von den besten werden Sie es am wenigsten hören.

Nun aber denke ich, daß der Verlust der teuren Mutter Ihnen nicht nur einen großen Schmerz bereitet hat, sondern daß er auch ihre Lage, ihre Umstände ganz ungemein verändert und wohl in mancher Beziehung schwierig gemacht hat. Wie großen, wertvollen Besitz hat ein reiches, langes Leben bei Ihnen hinterlassen! Könnten Sie nicht vor manchem ratlos stehen? Könnten Sie nicht über dies oder das (ich weiß gar nicht, was) in Verlegenheit sein?

Verzeihen Sie, wenn ich Ihnen so ein paar verwirrte Worte sage. Der Inhalt ist einfach der, daß ich Ihnen ein guter, ernster Freund bin, daß ich mir keine größere Freude wüßte, als Ihnen in irgendeiner Weise dienen, raten oder helfen zu können - leider darf ich nun nicht hinzufügen, daß ich ein sehr praktischer Mann wäre! Doch: Sie kennen mich, und hoffentlich sage ich Ihnen mit alle diesem nichts Unerwartetes.

Herrn Sommerhoff geht es hoffentlich immer besser, so daß Sie an Ihrer Schwester Elise die beste Stütze haben.
Sie alle Drei von ganzem Herzen grüßend Ihr innig und treu ergebener

J. Brahms.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
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  Absender Ort:
  Empfänger: Schumann, Marie und Eugenie (4789)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:

  Druckort 1: CS JB II, S. 621, Nr. 758
 



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