15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 7485 Brieftext


Geschrieben am: 28.12.1895
 

Frankfurt a/M d. 28 Dec. 1895.
Geehrteste Frau,
fürerst nehmen Sie mit Ihrem lieben Manne herzlichsten Dank für Ihre lieben Wünsche zu den Festtagen. Wie sehr aber betrübte mich, was Sie mir mittheilten. Wie schlimm muß der arme Mann gefallen sein, daß er noch immer leidet. Wie mag ihm aber Ihre liebevolle Pflege wohl gethan haben, ich kann mir so recht denken, wie Ihre Liebe ihn getragen hat über manche Schmerzensstunde! Ich kann mir Ihren Mann auch so ganz vorstellen in seiner Milde und Freundlichkeit trotz aller Schmerzen. Gott sey Dank, daß er nun doch auf dem Wege der Besserung ist, die, bei so vieler Sorge für ihn, vielleicht schneller vor sich geht, als Sie fürchten. Möchte doch alles Ungemach im alten Jahre verbleiben, das Neue Ihnen nur Glück und Freude bringen. Vor allem möge dem verehrten Freunde alle Kraft zu gewohnter Thätigkeit verliehen sein, die doch ’mal die erste Lebensbedingung ist! – Meine Tochter liegt noch immer, nun 8 Wochen, an Ischias – eine große Geduldsprobe, denn sie ist, außer dem Nervenschmerz, ganz wohl, und dirigirt das ganze Hauswesen vom Bett aus. Wie schwer es mir ist, sie nicht immer um mich haben zu können, wird Ihr lieber Mann verstehen, der unser Ineinanderleben seit so viel Jahren kennt.
Nun leben Sie Beide wohl, und, wollen Sie mein Herz erfreuen, so geben Sie mir bald ’mal wieder eine Nachricht von dem theueren Freunde.
Von Herzen ergeben
Ihre Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Lazarus, Nahida Ruth (917)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.18, S. 362f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.