25.02.2022

Briefe



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ID: 19686
Geschrieben am: Donnerstag 12.09.1889
 

Geliebte Frau Schumann!
In inniger Liebe denken wir Ihrer & bringen Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstage. Wie viel des Schönen & Guten haben wir Ihnen, Geliebte nicht zu danken! Was sind Sie uns Alles, ein Vorbild & Muster! Meinem Gatten die hehre Priesterin seiner angebeteten Kunst, an deren Beispiel er so oft neue Kraft, neuen Muth holen durfte & mir das Ideal der Weiblichkeit dem ich nun seit vielen, vielen Jahren nachstrebe. Daß ich Ihnen äußerlich ein wenig gleich sehe, das war mir immer etwas Besondres – ein Sporn Ihnen auch innerlich zu gleichen & in meiner so viel bescheideneren Stellung als Frau |2| eines Künstlers, diesem das zu sein, was Sie dem Berufensten, von uns Geliebtesten in so hohem Maaße gewesen sind. An Ihrer Geduld, Ihrer unablässigen Arbeit, Ihrer Pflichttreue, Pietät, Nachsicht & Güte haben wir uns oft erbaut, belebt & auch getröstet & so ist das Gefühl für Sie von inniger Dankbarkeit gegen Gott der Sie uns gegeben hat & das Geschick, das uns Ihnen auch menschlich nahe brachte, an diesem Markstein Ihres Lebens, tief durchdrungen. Gott erhalte Sie uns noch lange, vielgeliebte & verehrungswürdige Freundin & gebe Ihnen gesunde & frohe Tage, löse auch die Sorgen die Sie ja leider so selten verlassen haben.
In dem schönen Baden haben Sie schon häufig den Geburtstag gefeiert, möge es dießmal alle seine Reize entfalten Ihnen einen Tag der ungetrübten Freude gewähren.
|3| Daß wir heute die lieben Herzogenbergs bei uns haben, gönnen Sie uns gewiß, es ist für uns die größte Freude, wenn unsre Lieben uns besuchen, schade daß es nicht öfter geschieht & sie nicht länger bleiben. Wir waren bis letzten Montag abwesend, nach Grindelwald noch 8 Tage im Jungfraublick in Interlaken. Dort ist es gar schön gewesen & sehr behaglich. Gewiß würde es Ihnen dort auch gefallen, in den herrlichen Wäldern, die gleich hinter dem Hause beginnen. Und die Ausfahrten erinnern an Aehnliches in Baden. Möchten Sie’s doch einmal versuchen, wir würden so gern <>wieder mit Ihnen kommen.
Nun Gott befohlen, Sein Sie vieltausendmal gegrüßt samt Ihren lieben Kindern & innig umarmt von Ihrer getreuen
H. Volkland.
Basel 12 Sept. 89

  Absender: Volkland, Henriette (1640)
  Absendeort: Basel
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort: Baden-Baden
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
570f.

  Standort/Quelle:*) D-B, s: Mus. Nachl. K. Schumann 5,234
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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