25.02.2022

Briefe



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ID: 19692
Geschrieben am: Dienstag 09.02.1892
 

Geliebte Frau Schumann!
Es betrübt uns sehr, daß Sie noch immer unwohl sind & wir denken Ihrer mit großer, herzlicher Theilnahme. Möge der gütige Gott Ihnen die Gesundheit bald wieder schenken, damit Sie uns noch lang erhalten bleiben & wir Sie zufrieden & glücklich wissen dürfen.
Der Verlust der l. Lisl ist uns sehr nah gegangen, daß sie wirklich nicht mehr bei uns weilt, vermögen wir uns noch gar nicht vorzustellen, wie mag es erst dem armen Heinrich zu Muth sein!
Er schrieb kürzlich von Florenz, wo er den Winter über zu |2| bleiben gedenkt. Er beabsichtigt im Juni nach Heiden zu gehen & will dort seine Heimath gründen, in dem kleinen Haus, das Beide lieben Freunde letzten Sommer bestellt haben, will er wohnen. Es scheint, daß Helene Hauptmann ihn begleiten & ihm bei der Einrichtung helfen soll. Wir wollen unsre Ferien dort zubringen um dem vereinsamten Freund ein wenig Zerstreuung zu bieten. Ich denke daß manch Andrer im Vorbeireisen auch dort vorsprechen wird & habe die stille Hoffnung Sie vielleicht auch dort sehen zu können.
Wir sind bis jetzt gesund geblieben & gehen der gewohnten Thätigkeit nach. Gestern war bereits das 7te Concert in welchem Hr. Perron wundervoll sang. Eine Arie von |3| Schubert, dann den Doppelgänger v. Schubert, Frühlingsfarth [sic] von Schumann & Mainacht v. Brahms. Er hatte viel Erfolg, mußte den Doppelgänger 2 mal singen & dann noch die Frühlingsnacht v. Schumann zugeben. Außer Perron war kein Solist, dagegen spielte das Orchester die herrliche Schubertsymphonie ganz treff-lich & haben wir sie sehr genossen. Nun ist am nächsten Sonntag schon wieder ein Concert, das Achte. Darin spielt ein Clavierspieler, Rosenthal & singt die Sicherer, die Fdursymph. v. Brahms wird außerdem aufgeführt.
Gott befohlen, geliebte Frau Schumann, möchten diese Zeilen Sie wieder wohlauf antreffen.
Mit herzlichsten Grüßen <>an Sie & die lieben Mädchen von uns Beiden
Ihre getreue
Henriette Volkland
Basel 9 Feb. 92

  Absender: Volkland, Henriette (1640)
  Absendeort: Basel
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort: Frankfurt am Main
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 10
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Theodor Kirchner, Alfred Volkland und anderen Korrespondenten in der Schweiz / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-021-6
601ff.

  Standort/Quelle:*) D-B, s: Mus. Nachl. K. Schumann 6,114
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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