19.12.2019

Briefe



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ID: 10056 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 06.10.1870
 

Geehrter Herr Kapellmeister,

es freut mich herzlich, daß sich mein Spiel in Leipzig noch arrangiren läßt, und so nehme ich denn das Engagement für den 27. Octbr. an, möchte Ihnen aber privatim sagen, daß, wenn es, ohne im geringsten Mühe zu verursachen anginge, daß ich im November oder December spielte, mir ein späterer Tag lieber wäre. Ich habe nämlich den ganzen Sommer nichts zur Kräftigung meiner Nerven thun können, und würde es mir gewiß von Vortheil sein, bliebe ich in diesem Monat noch hier, da das Wetter so wunderschön ist. Ich muß in Frankfurth (wenn ich von hier gehe), einen Aufenthalt von 5 – 6 Tagen machen, folglich müßte ich, spiele ich am 27.t. in Leipzig, schon in 12 – 14 Tagen von hier dem Aufenthalt in Frankfurth nichts. Aber, wie gesagt, ich theile Ihnen dies privatim mit, Sie wissen, wie es mit den Engagements zu den Gewandhausconcerten steht, und können darnach beurtheilen, ob mein Wunsch leicht berücksichtigt werden kann oder nicht. Im letzteren Falle also nehme ich für den 27.t. an, und möchte nur bitten, daß das Quartett nicht den Tag darauf sey, weil ich es, wo ich irgend kann, vermeide, zwei Abende nacheinander öffentlich zu spielen. Ich bin nicht pressirt, könnte aber ganz gut einen oder zwei Tage länger in Leipzig bleiben. Für das Abonnement-Concert möchte ich das Cmoll Concert v. Beethov. wählen, welches ich noch nie in Leipzig gespielt, sollte aber dasselbe etwa eben gespielt worden sein, so nehmen wir das Gdur, das mir eben so lieb ist. Als Solo’s möchte ich setzen:

a) Skizze Des dur aus Op. 58
b) Novellette F dur aus Op. 21 [Robert Schumann]
c) Scherzo (Presto) E moll Op. 16 … Mendelssohn.

Für das Quartett überlasse ich Herrn David die Wahl zwischen D moll, F dur, Trio, Quartett Es dur und Quintett von meinem Mann. Das Solo läßt sich dann leicht bestimmen, wenn ich dort bin. Bitte, theilen Sie mir, so bald Sie können mit, erstens: ob sich das Engagement auf einen andern Tag verlegen läßt ohne Mühe (vom 3. Nov. bis inclusice 1. Dec. wo ich dann bis 5ten auch noch für das Quartett frei hätte) dann, ob in Leipzig hohe oder tiefe Orchesterstimmung ist, ferner, welches Concert Sie gewählt, und ob Sie die dazu nöthigen Stimmen und Partitur haben? Ich hoffe Sie sind durch den schrecklichen Krieg nicht in irgend einer Weise persönlich betroffen worden? ich lebe in großer Sorge um meinen zweiten Sohn, der vor Paris jetzt steht! Ihre Söhne sind zum Glück noch so jung, daß Sie ruhig sein konnten.
Mit freundlichstem hochachtungsvollem Gruße
Ihre ergebene
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Reinecke, Carl (1243)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
757ff
 



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