15.07.2019

Briefe



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ID: 11289 Brieftext


Geschrieben am: 14.04.1880
 

Frkft. a/m d. 14/April 80
Lieber Levi,
wie oft dachte ich daran, Ihnen ’mal einige Worte zu senden, aber es kam immer so viel Nöthiges, dazu immer die Schmerzen im Arm, Concerte vor der Thür, kurz, ich komme erst heute dazu, und zwar gedrängt durch eine recht unangenehme Sache, die ich, ehe ich Weiteres frage, mir vom Herzen schaffen muß. Possard hat nämlich in Mannheim den Manfred gegeben; man hatte sich dort das Aufführungsrecht nicht erworben, und daher die Genossenschaft Ansprüche erhoben. Nun bekomme ich inliegenden Brief. Ich bin im höchsten Grade erstaunt, wie konnte denn Possart so etwas sagen? ich habe ihm doch niemals nur Annäherndes geschrieben! die Sache ist mir zu unangenehm, und ich bitte Sie sehr mit P. zu sprechen, wie das zugeht? bald sehen wir uns in Bonn, wie fatal ist es dann, wenn die Sache nicht aufgeklärt ist. Schicken Sie mir den Brief auch bald zurück, ich muß ihn ja beantworten, aber, – wie?
Nun zu Ihnen, lieber Freund! was machen Sie? ich hörte, Sie seyen einmal wieder sehr unwohl gewesen? ach, nähmen Sie sich doch nur ein wenig in Acht! Sie muthen sich mit den Wagner’schen Opern stets zu viel zu! – Dank für Ihre lieben Zeilen neulich, auch die Notizen vom März über die B dur Symphonie. Sie erhalten wohl in nächster Zeit die letzte Correctur, und bitte ich Sie, wenn Sie die Stelle im Andante geändert hatten, sie wieder wie früher zu setzen, wie es in der Partitur steht. Es wäre mir lieb, schickten Sie sie mir dann. Sie in Bonn zu sehen ist wohl keine Aussicht? überhaupt, kommen Sie nicht ’mal wieder zu uns? Sie müssen doch Ihren Papa ’mal wieder besuchen? Mit Kalbeck ist Alles abgemacht, aber, nun hat er die schöne Stellung in Wien, und, ich fürchte, es wird ihm wenig Zeit bleiben. Er will im Frühjahr ’mal herkommen das Material zu besichtigen. Wir haben manches Interessante gefunden, besonders in der Correspondenz mit der Mutter, die eine sehr ausgezeichnete Frau war. Es freut mich, Diese der Welt in ein anderes Licht stellen zu können, als es bisher geschehen. – Mein Arm schmerzt zu sehr, ich muß aufhören. Bitte, lieber Levi, erledigen Sie die Sache mit Possart schnell.
Mit den herzlichsten Grüßen von uns Dreien
Ihre Cl. Sch.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.5, S. 829f.
 



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