19.12.2019

Briefe



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ID: 12290 Brieftext


Geschrieben am: Montag 25.06.1888
 

Frankfurt a/m. 25/6. –
Meine liebe Frau v. Beckerath!
Es hat mich wahrhaft geschmerzt Ihren lieben Besuch neulich verfehlt zu haben, hätten Sie mich doch rufen lassen! Freilich hat das Mädchen die Ordre mich während der Stunden nicht zu stören, aber es giebt doch Ausnahmen. Hätten Sie ihr gesagt, daß Sie wieder fort mußten, so hätte sie mich gleich gerufen. Marie schickte das Mädchen Ihrer Droschke noch nach, aber sie konnte sie nicht mehr einholen. So nehmen Sie denn schriftlich meinen herzlichsten Dank für Ihren lieben Besuch und die wärmsten Wünsche, daß Ihnen dieser Sommer gesundheitlich ersprießlich werde! Ihr großes Herzeleid kann ja nur die Zeit mildern. Gott sei Dank, daß Ihnen Ihr lieber Sohn zur Seite steht, und der andere, wenngleich entfernt von Ihnen, so doch recht zur Freude für Sie heranreift. Ich höre, daß er ein so schönes Talent entwickelt an dem auch Ihr theurer Mann schon Freude erlebt.
Wir gehen in wenig Tagen nach Franzensb. dann im August nach Obersalzberg. Wir haben die Erholung nöthig, u. mein Rheumatismus hat mir in den letzten Wochen arg mitgespielt.
So leben Sie denn wohl, liebe Frau von Beckerath; und glauben Sie mich immer
Ihre
warm ergebene
Clara Schumann.

[Umschlag]
Frau Laura von Beckerath.
Rüdesheim a/Rh.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Beckerath, Laura von (168)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
288f.
 



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