05.01.2022

Briefe



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ID: 13242
Geschrieben am: Montag 02.12.1895
 

Frankfurt a./M., den 2. Dezember 1895.

Lieber Johannes,

wie bin ich erschrocken, daß ich Dir durch meine Nachlässigkeit so viel Mühe verursacht. Ich hatte aber die Studien schon einmal korrigiert und zurückgeschickt, und die Hauptsache, ich fühlte mich so unwohl, daß ich die Korrektur, gleich nach der Besichtigung des Titelblattes nur, an Dich abschickte. Hätte ich ruhig ein paar Tage gewartet, so wäre dies nicht geschehen (verzeihe den Wassertropfen). Ich habe nun sofort an Eugenie geschrieben, daß sie Novello benachrichtigen möge etc. etc. Du erhältst nun wohl die Korrektur direkt.

Bei uns sieht es noch traurig aus, Marie liegt nun schon 4 Wochen fest zu Bett, gibt aber, zu unserer Beruhigung, ihre Stunden wieder, natürlich neben dem Klavier liegend. Ich habe ein Magenleiden, schon den ganzen Herbst verschleppt, das mir schlimme Stunden bereitet, dazu der Druck, der mir durch Mariens Krankheit auf dem Gemüte liegt! Da heißt es recht an sich arbeiten, daß man sich oben erhält. Die Stunden sind dazu recht ein Glück für mich, ich liege doch nicht ganz brach, und die Gedanken werden auf anderes als das eigene Leid gerichtet.

Leb' wohl, habe Nachsicht, und denke zuweilen freundlich

Deiner alten

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:

  Standort/Quelle:*) D-Zsch, s: 11035-A2
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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