19.12.2019

Briefe



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ID: 13962 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 01.08.1875
 

Klosters, Graubünden d. 1 August 1875.
Hôtel Florin.
Lieber, verehrter Herr Geheimrath,
ich habe länger gezögert Ihnen Ihr freundliches Schreiben zu beantworten – es wird mir ganz besonders schwer Ihnen gegenüber wieder den geschäftlichen Ton anzuschlagen, ohne welchen es sich in dieser Angelegenheit nun ’mal nicht thuen läßt. Vor allem muß ich mich gegen die Beschuldigung, als habe ich mit der letzten Forderung die erste übersteigen wollen, verwahren. Ich hatte auf ein Gespräch hin, daß [sic] ich früher ’mal im Betreff meines Bruders mit Ihnen hatte, wo Sie mir bei der Berechnung seines Einkommens das Wohnungsgeld mit circa 300 Thaler veranschlagten, eben so es jetzt berechnet, außerdem das Capital der Pension mit circa 200 Thl, so kamen denn auch 1500 Thaler heraus. Es war also ein Irrthum meinerseits – an Weniger hatte ich nie gedacht. Um nun auf die Stellung selbst zu kommen, so muß ich Ihren Einwand, daß Diese mir doch eine Sicherheit gewähren würde, wohl gelten lassen; bedenken Sie aber auch, daß ich jede größere Kunstreise dann aufgeben muß, die mir, z. B. allein 3 Monate in England, drei, vier mal mehr einträgt, als der Gehalt ausmachen würde. Sie werden mir also zugeben müssen, daß mein Honorar nicht nach Stunden berechnet werden kann, sondern alle diese Umstände mit dabei in Betracht gezogen werden müssen. Wenn ich, trotz der pecuniären Opfer, die ich selbst bei einem Gehalte von 1500 Thalern noch immer bringe, auf das Engagement einzugehen gesonnen bin, so möge Ihnen das ein Beweis sein, wie ich hoffe, daß mir aus dieser Thätigkeit eine künstlerische Freude erwachse, und der Schule ein Nutzen. Ich muß also doch bei meiner Forderung von 1500 Thalern bleiben. Ich habe Familie, noch immer recht schwere Verpflichtungen zu erfüllen und darf schon deshalb nicht leichthin handeln. Läßt es sich nun für nächsten Winter nicht nach meinem Wunsche in’s Werk setzen, so gelingt es Ihnen vielleicht später, wo, wie Sie mir sagten, eine neue Stelle geschaffen werden soll. In jedem Falle bin ich einer gefälligen Antwort von Ihnen gewärtig. Recht betrübt waren Ihre Nachrichten über Ihren armen Schwiegervater – welch ein Leid für Alle! Grüßen Sie Ihre liebe Frau recht von Herzen, und seyen Sie selbst aufs wärmste gegrüßt von Ihrer wahrhaft ergebenen
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Klosters
  Empfänger: Schöne, Richard (1395)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
507f.
 



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