05.01.2022

Briefe



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ID: 14369
Geschrieben am: Freitag 31.01.1851
 

Düsseldorf d. 31 Jan. 1851
Meine liebe Marie,
haben Sie 1 000 Dank für Alles das Sie mir geschickt haben, besonders aber für Ihre lieben Briefe, durch die Sie mich recht innig erfreut haben. – Sie werden wohl glauben wie wohl es mir thut zu hören, wie glücklich Sie Sich fühlen durch Ihre Musik – daran einen kleinen Theil Schuld zu tra¬gen, ist für mich ein beglückendes Gefühl, und, gebe Gott Ihnen Krafft so fort zu streben und weben! – Ihre Liebe zur Kunst ist so wahr und schön, daß Ihnen ein Lohn später oder früher werden mußte, und immer mehr werden wird, – wie herrlich, wenn man die schönsten Stunden des Lebens sich selbst schaffen kann, – der Lohn überwiegt ja schon Alles Andere! –
Ihre Sendung hat mich in jeder Hinsicht befriedigt, es war Alles vortreff¬lich und billig gewaschen, nur |2| thut es mir schrecklich leid, daß ich Ihnen, bei Ihrer ohnehin so beschränkten Zeit, so viel Lauferei verursacht habe – nehmen Sie herzlichen Dank dafür. Aber Liebste, soll ich Ihnen wieder Comissionen senden, so bitte, schicken Sie mir nie wieder frankiert zurück, das nehme ich durchaus nie an. Daher habe ich denn auch heute das Porto beigelegt, was das Paquet von hier nach Dresden gekostet; Sie erhalten:
Für die Thieme – 28 ngr
Für die Heflen – 1 rt 12 –
Für den Felbel – – 9 –
Porto f. d. Paquet – 9 –.
Summa 2 rt 28 ngr
Außerdem lege ich noch 2 rt für Schink bei – mehr nicht; ich habe Schink gesagt, ich wolle ihm Etwas wieder geben, wenn er das Bad nicht gut verkaufen könne, d. h. keineswegs über die Hälfte, und ich denke mit 2 rt kann er wohl zufrieden sein. |3| Ich habe 5 rt folglich beigelegt, einzelnes Silbergeld würde den Brief zu sehr beschweren. Sie erhalten Dieß durch Gottschalk, daher wäre es mir lieb, schrieben Sie mir bald eine Zeile, ob Sie Alles richtig erhalten haben. Eine Bitte habe ich aber auch heute wie¬der: wollen Sie wohl Emilien sagen, sie möchte doch das Taschentuch, welches ihr Friederike am Bahnhof gegeben recht bald zu Gottschalk tragen, der es mit seiner nächsten Sendung, die in 8 Tagen erfolgen soll, mitschicken kann, auch möchte Emilie, da sie mir nun einmal gar nicht mehr schreibt, wenigstens ein Zeddelchen beilegen, was ich ihr an Gelde noch schuldig bin, ich möchte es so gern endlich einmal in Ordnung ha¬ben. Sie können bei dieser Gelegenheit, (durch Gottschalk nämlich) auch beilegen, was Sie wollen – ich meine nämlich womöglich, einen recht lan¬gen Brief. – |4| Sie sparen das Porto, und verursachen bei einem großen Paquete, wie das von Gottschalk, Keines. –
Das [sic] Emilie mir gar nicht schreibt, ist unrecht, sie kann doch nicht verlangen, daß ich, die ich wirklich die Minuten zählen muß, auf je¬den Brief einzeln antworte. Jede Nachricht macht mir immer viel Freude, und, Sie, liebe Marie, schreiben mir gewiß dann und wann – mit größter Theilnahme werde ich immer von Ihnen hören, und Ihnen, so oft ich es kann auch von uns erzählen! –
Unser voriges Concert war furchtbar voll – denken Sie 750 Men¬schen; ich spielte darin drei Mal, unter Anderem auch ein Trio von Mozart mit Viola und Clarinette. Es war eine Soiree ohne Orchester. Das nächs¬te Concert am 6ten Febr. enthält folgendes Programm: Symphonie (neu) meines Mannes, Arie aus der Schöpfung (Frl. Beer) Ouvertüre zum Fidelio, Concert für |5| 3 Klaviere von J. S. Bach, vorgetragen von drei Schülerinnen von mir, Frl. Dupre, Frl Sabinin und Nanette Falk, die seit einem Monate wieder bei mir ist (Sie wissen wohl, Dieselbe, die schon in Dresden war) – ist das nicht hübsch? zum Schluß dann noch Lieder von Frl. Beer gesungen.
Am Sontag haben wir auch bei uns Roberts spanisches Liederspiel aufgeführt und einen ungeheuren Enthusiasmus damit erregt. Es ging sehr gut, wo uns die schöne Altstimme der Frl. Schloß sehr zu statten kam. Sie wissen wohl, daß Dieselbe sich hier niedergelassen hat. Auch eine Holländerin Frl. Weinthal, die eine wundervolle Altstimme hat, ist jetzt auf 3 Wochen hier, um bei uns deutsche Arien und Lieder zu studieren. Sie hat bei Garcia in London studiert, aber nur italienische Sachen, damit kommt man aber in Deutschland nicht mehr fort! –
Adieu nun! ich denke, Sie sind zufrieden mit mir, und erfreuen bald wieder mit einigen
freundlichen Zeilen
Ihre
wahrhaft theilnehmende
Clara Schumann.
Gottschalk’s Adresse ist: Klostergasse Nro 10, 2 Treppen. Neustadt.
|6| Fräulein
Fräulein Marie v. Lindemann
in
Dresden
Große Reitbahngasse
Nro 16, 3ter Stock.
Durch Güte des Herrn Kammermusikus Gottschalk.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Lindeman, Marie von (2605)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
1109-1113

  Standort/Quelle:*) D-Dl, s: Mscr. Dresd. App. 16, Nr. 7
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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