05.01.2022

Briefe



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ID: 14371
Geschrieben am: Montag 14.04.1851
 

Düsseldorf d. 14 April 1851
Meine liebe Marie,
Sie werden erschrecken, daß ich Ihnen wieder komme, und zwar heute nur mit Commissionen, doch mir fiel so Vieles noch ein, was sich gut vereinigen ließe mit Ihrer nächsten Sendung. Sie erhalten hierbei noch ein paar Manschetten zur Wäsche für die Heflen, alsdann ein Taschen¬tuch, welches ich von der Bertha Duckwitz auf neuen Battist aufgenäht wünschte; sie selbst aber besorgt den Battist nicht, wollte ich Sie daher bit¬ten, zu Winter in der Frauengasse, J. H. <> Meyer schräg über, zu gehen und ihm zu sagen, er möchte Ihnen so viel, als zu dem Tuche nöthig, vom feinsten Battist (jedoch nicht von dem ganz ächten, denn der fällt in der Wäsche immer so dicht aus, was dann zur Stickerei nicht gut paßt) (vom Stücke) ab<zu>schneiden, und dieß geben Sie alsdann der Duckwitz mit dem Bemerken, daß sie Ihnen, was abfällt (vielleicht liegt das Zeug brei¬ter) zurückgiebt. Sie soll mir die Sachen aber bald machen. Ferner finden Sie hierbei einige Proben von Hanfzwirnspitzen, die ich sehr <seh> gern habe, besonders |2| zu Besätzen für die Kinder, da sie außerordentlich haltbar sind. Wollen Sie nun wohl die Güte haben bei Simon in der See¬gasse von schmalen Spitzen 2 Stück <> so ähnliche, als die beiliegende Probe, recht hübsche feine, und außerdem noch 2 St- etwas Breitere, so ähnlich wie die <bei> andere Probe. Die Probe schicke ich <noch> nur mit, damit Sie ohngefähr die Qualität sehen, wie ich sie wünsche. Sagen Sie Simon, daß es für mich ist, ebenso auch Winter, bei dem ich immer Al¬les gekauft habe, und er Ihnen dann sicher etwas Gutes giebt. Außerdem kommt nun noch eine Bitte! da die Walther doch einmal den Hut hierher schickt, so könnten Sie leicht für meine drei Mädchen 3 bunte, große Gartenhüte beilegen; hier kostet Einer 20 Ngr, und in Dresden habe ich gewöhnlich 8–10 Ngr gegeben. Die Krempe liebe ich nicht gar zu breit, die Kopfweiten lege ich bei. Sie können Sich vielleicht mit der Walther be¬reden, daß sie Ihnen |3| die Hüte zusammen einpackt, und Sie ihr dann, was Sie noch extra hineinlegen wollen, dazu geben. Sagen Sie ihr, daß <da> sie das Einpacken <wofür> und die Kiste (die ich behalte) berech¬nen soll. Haben Sie die Güte Alles zu bezahlen, ich lege Ihnen 10 Thaler bei, was Sie freundlich verzeihen – ich bin aber gern möglichst exact und muthe Niemandem gern eine Auslage zu. – Was die Spitzen kosten wer¬den, das weiß ich nicht, hier aber kostet die Elle von den schmälsten 2 Ngr, soviel keinenfalls bei Simon am Stück – er läßt auch sehr mit sich handeln.
Unser Passions-Concert gestern ist sehr schön abgelaufen, die Chö¬re gingen vortrefflich, sowie auch die Soli’s. Nächste Woche ist das letzte Abonnement-Concert, wo ich leider wieder spielen muß; ich sage leider, weil ich mich seit 14 Tagen sehr unwohl fühle (den Grund werden Sie errathen, |4| und mir gewiß Ihre Theilnahme schenken) und mich eigent¬lich keiner Anstrengung unterziehen sollte. Da bitten sie nun aber, dazu kommt, daß das Concert für die Armen, und daß der Prinz von Preußen kömmt, kurz, sie haben mir das Ja abgezwungen. Meine Familien-Mitt¬heilung nur Ihnen und Emilien im Vertrauen, ich habe das Sprechen darüber so lange vorher nicht gern, und besonders fürchte ich meinen Vater, der dieß gar zu gern benutzen würde, mich öffentlich zu bedauern ect. ect. Sie können Sich schon denken, was ich meine! –
Nun Adieu, meine Theure! haben sie im Voraus Dank für Alles, und wohl wünschte ich Ihre Sendung käme recht bald zurück, damit ich bald auch wieder von Ihnen hörte.
In herzlicher Liebe
Ihre Clara Schumann
Verzeihen Sie die große Eile dieser Zeilen.
Wollen Sie gefälligst den dritten der Hüte, der für Julie bestimmt in der Krempe etwas kleiner nehmen, als die anderen, obgleich die Kopfweite fast dieselbe ist. Am billigsten kaufen Sie die Hüte in dem Hause auf der kleinen plauenschen Gasse, wo die Schlesinger früher gewohnt hat, ist es da aber nichts, so thuen Sie wohl am besten <zu> dahin zu gehen, wo wir auch einmal zusammen waren, in der Allee.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Lindeman, Marie von (2605)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
1119-1122

  Standort/Quelle:*) D-Dl, s: Mscr. Dresd. App. 16, Nr. 4
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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