19.12.2019

Briefe



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ID: 17499 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 24.08.1875
 

Salzburg, Großer Schiffhof, Im Moos.
d. 24ten Augst

Liebe Frau Schumann!

Mein redlicher Wunsch Ihnen zu schreiben ist in den 3 Wochen seit Berlin nicht in Erfüllung gegangen! Zu lange war ich von den Meinigen getrennt gewesen, und auch meine Violine, der ich Wochen und Wochen hatte untreu sein müssen, machte ihre Ansprüche geltend<,>. <s>So <daß> gieng mit Ausflügen (auf denen ich Ihrer aber bei den schönsten Stellen Sie herbeiwünschend dachte) und dem sehr nöthig gewordenen Üben die Zeit wie im Traum vorüber; und ich staune daß jetzt meine beiden ältesten Kinder schon wieder in Berlin im Gymnasium sitzen, und daß wir uns nun bald in München beim Manfred wiederfinden sollen – während beides vor Kurzem noch so weit ab von der Gegenwart schien. Auf diese nächste Zukunft aber freue ich mich nun gar sehr, und um so mehr als Sie etwas von der Möglichkeit durchblicken ließen, daß wir uns nachher noch in Salzburg sehen sollen. Wie lange habe ich mir gewünscht Ihnen den Königssee zu zeigen, und noch andere, nähere Punkte um das mir liebe Salzburg, das ja freilich nicht so grandios ist wie die Schweiz, in der Sie jetzt heimisch geworden sind, aber dessen harmonische Schönheit mich immer von Neuem entzückt. Der Ausbau unseres kleinen Salzburger Häuschens schreitet jetzt recht voran, und werden wir es vor der Rückkehr nach Berlin wohl fertig sehen. Dies Jahr müssen wir uns noch in einer Miethwohnung behelfen, die manches zu wünschen übrig läßt, namentlich gutes Trinkwasser! In einer Gebirgsgegend und bei dem zum Theil drückend heißen Sommer <> ist das ein böser Fehler. Nun, nächstes Jahr werden wir es wohl desto besser haben. Wir denken am 6ten September nach München aufzubrechen, und etwa eine Woche dort zu bleiben. Sie sind gewiß dann schon dort, und ich freue mich außer dem Theater noch manches Schöne mit Ihnen und den Ihrigen zu erleben.Wenn nur meine Frau so wohl bleibt, wie sie es zum Glück seit dem <ersten> einen Anfall (Anfangs Juli) <> gewesen ist. Carlsbad scheint dies Jahr schon besser zu wirken, und so hoffe ich es. Verzeihen Sie, verehrte Freundin, mein unstätes Schreiben; ich habe ab und zu aufgehorcht wenn meine Frau mir aus dem Bädeker Reisepläne vorlas; ich kann aber nun nicht abschreiben. Die schönsten Grüße von uns beiden an Sie und die lieben Ihrigen. Stets freundschaftlichst
Ihr
Joseph Joachim

  Absender: Joachim, Joseph (773)
  Absendeort:
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1157f.
 



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