23.11.2019

Briefe



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ID: 17942 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 11.10.1873
 

Düsseldorf den 11t Okt. 73.
Meine theure Clara,
So hat denn das selten thatenreiche, u dadurch wahrlich schöne Leben, Ihres verehrten alten Vater so schnell sich geendet, u wir denken Ihrer dabei wie so oft in allerherzlichster Theilnahme. Zum Klagen kommt man nicht, wo Gott so seltene Kraft in so hohem Alter schenkte; u um so erhebender u ruhiger werden auch Sie auf das Leben u Wirken des verehrten Vater nun immer zurückdenken, Sie Liebe Gute! Wie oft sprachen Sie den Dank aus den Sie so tief für ihn empfanden u durch den Sie ihn gewiß oft u mehr erfreuten, als er es geäußert haben mag! – Wie es häufig geht, hatte ich grade vorgestern Abend die Zeitung nicht durchgesehen, u als ich gestern zur Gratulation zu Frl. Leser kam, sprach diese denn gleich davon u von Ihrem lieben Brief, u da durchzuckte es mich doch recht schmerzlich! Ich fühlte tief mit Ihnen was es doch heißt den theuren Vater begraben, von dem man noch unverändert in kindlicher Liebe bedacht war. Mein Mann grüßt innigst mit mir u läßt Ihnen auch seine warme Theilnahme mit mir vereint aussprechen! – Leider kann er seinen Catarrh mit Kitzelhusten wieder garnicht los werden, trotz aller angewendeten Mittel u Stärkungen, u die Stimme bleibt matt! – Ich bin oft recht betrübt über die harte Prüfung die ihm wieder auferlegt ist, u daß man mit aller Vorsicht doch diesen Reiz zur Erkältung ihm nicht nehmen kann. Er ist immer selbst der Geduldigste u froh seine Augen brauchen zu können! – Doch recht fatal ist ihm der Husten u das Schweigen auch, u wir conferirten heut lange mit dem Doktor! – Unsere Kinder a. Berlin sind seit 8 Tagen unser bester Trost u schönste Erquickung; sie leben mit uns gern still u häuslich; unser Sohn war das ganze Jahr so sehr beansprucht in seinem Amt u so voller Arbeit, daß er gern so recht ausruht. – Rudolf kam gestern Abend von Wien zurück, sah Vieles Lehrreiche u Interessante u muß nun tüchtig erzählen! – Gottlob, daß Ihr Felix sich gut erholt, u hoffentlich bald unter Ihrer u der Schwestern Pflege alle Krankheit überwand! – Sie gehen nun auch nicht n. München? – aber doch schiebt sich wohl die Aufführung der Genoveva nicht all’ zu lange hinaus? – Unternehmen Sie nicht zuviel geliebte Clara, das ist noch unsre besondere Bitte. Spielen Sie nur da, wo es Ihnen Freude, u nicht zu viel Mühen u körperliche Anstrengungen macht! – Noch tausend Dank für Ihre letzten Worte v. 1t, die mich unendlich freuten. Wie mag es Miss Burnand gehen? Der Tod von Herrn Benzon that mir auch schrecklich leid! –
Zum Umzug nach Berlin u zu Allem Allem beste Wünsche u nun ade mit vielen treusten Grüßen an Sie u die Kinder! –
Es küßt Sie in Gedanken
Ihre alte treue Lida B.

  Absender: Bendemann, Lida (176)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 216ff.
 



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