19.12.2019

Briefe



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ID: 17987 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 11.12.1881
 

Ddf 11 Dcbr 1881.
Liebste Freundin!
An meinem Geburtstage, der mir zu einem rechten Ehrentage geworden ist, haben Sie mir allerdings gefehlt – wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, so würde ich Sie weniger lieb haben – aber ich habe trotzdem gewußt, daß irgend ein Zufall Sie abgehalten hat mir zu schreiben u dß Sie meiner, unser, oft u. gern gedenken. Was braucht es da eines bestimmten Tages? Ich würde nicht gezweifelt haben, wenn Sie mir auch gar nicht geschrieben hätten. An die Schwäche Ihres Kopfes, Ihres Gedächtnißes glaube ich gar nicht; Sie sind aber im Stande, wirklich daran zu glauben nach Ihrer bescheidenen Art – ich kann nur sagen, thun Sie das nicht. Nur eine Frau wie Sie kann solche Anforderungen an Sich stellen. Sie, die Sie soviel im Kopfe u Herzen haben. Also meinen herzlichsten Dank für Ihren lieben Brief! Er ist ein vollkommen wohlgelungenes Portrait von Ihnen! ich fürchte nur, dß Ihr Arm unter demselben gelitten hat. Auch meinen besten Dank für Ihre u Ihrer l. Kinder Wünsche für mich! Meine Doktorwürde soll, als von Berlin kommend, eine seltene Ehre sein. Ich möchte nicht daß es undankbar klingt, aber glaube fast, daß die Seltenheit weniger mir zur Auszeichnung als der Berliner Universität zur [sic] Verdacht von Fahrläßigkeit gereicht. Kunstgedenken sind in Berlin an u für sich selten. Jedenfalls freue ich mich u für meine Frau [u für mich], daß wir nun Ihre Kollegen sind. Ja, Ihr kleines Konzert mit Joachim hätte ich gern gehört! Aber wie traurig sind seine Verhältniße! Ihre Worte: „Joachim sagt, die Scheidung ginge nun merklich vor sich“ bezieht sich wohl nur auf die faktische, moralische Scheidung u Trennung? Oder beabsichtigt er nun die juristische Scheidung wirklich eintreten zu lassen?
Sie reisen übermorgen nach München; da sollen diese Zeilen Sie noch in Frankfurt antreffen. Mögen Sie Freude, Ehre u Alles Gute dort u wiederum in Frankfurt finden; strengen Sie sich aber nicht zu sehr an!
Somit u mit den besten Grüßen leben Sie recht wohl!
Ihr
E Bendemann.

Meine Frau grüßt bestens, sie wollte eigentl. auch schreiben verschiebt es aber bis nächstens. Rudolf empfiehlt sich.

  Absender: Bendemann, Eduard (174)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 282f.
 



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