15.07.2019

Briefe



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ID: 1848 Brieftext


Geschrieben am: Montag 24.07.1837
 

[aus: Die Presse]

Leipzig, den 24. Juli 1837.
Mein lieber Rudolph!
Da ich mir Sie noch als Lockenkopf denke, so rede ich Sie ohneweiters so an.
Ihre Compositionen haben mir viel Freude gemacht, zum Theil wirklich überrascht; namentlich die Orchestersachen. Schriftlich läßt sich aber nichts Ordentliches reden und Sie müssen mit meinem Detailurtheil bis zur Zeit passen, wo ich Sie wieder einmal sehe. Und das geschehe bald. Dessau bekommen Sie nach und nach in den Rücken. Sie haben da ein gutes Fundament gelegt und es fehlen nur die größeren Städte und freiere Meister, Ihrem Talent den Erfolg zu sichern, den ich nach dessen Kraft beinahe als gewiß voraussetze. - Also machen Sie sich auf! Es that mir herzlich leid, mit Ihrem Herrn Vater nicht selbst sprechen zu können. Kommen Sie nach Leipzig, so sollen Sie mir herzlich willkommen sein. Was ich an Erfahrung reicher als Sie bin, sollen Sie gern haben. Vielleicht daß Ihnen auch Mendelssohn regelmäßigen Unterricht gibt. Wie steht es mit der Fuge? Haben Sie viele gemacht? Schicken Sie mir ein paar; auch Canons. Studiren Sie auch fleißig Bach? Erstarken Sie ja an ihm und Beethoven Ihre Phantasie und Ihr Wissen! - Ueber den Druck Ihrer Compositionen sollen Sie selbst entscheiden, - aber erst in einem Jahr. Was Ihnen dann noch gefällt, hat die Probe bestanden. Jedenfalls schicken Sie mir bald die anderen Etüden; ich habe etwas mit ihnen im Sinn, - sie vielleicht der Zeitschrift beizulegen. Doch verspreche ich es noch nicht, bevor ich nicht die anderen gesehen habe. - Für heute nur noch Eines: singen Sie noch mehr; bilden Sie den Gesang recht edel und wohllautend in allen vier Stimmen aus, und dann schreiben Sie nicht zu schwer. Im Uebrigen hoffe ich, daß meine Weissagung in der Zeitschrift über Sie in Erfüllung gehen werde. - Mit diesem Trost beruhigen Sie Ihren Herrn Vater und empfehlen mich ihm.
Ihnen herzlich zugethan: Robert Schumann.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Willmers, Heinrich Rudolph (1724)
  Empfangsort:
 



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