19.12.2019

Briefe



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ID: 18947 Brieftext


Geschrieben am: Montag 01.09.1879
 

Ein Jahr der Ehren und Freuden, verehrteste Freundin! aber auch der Schmerzen u Sorgen, beides in ungewöhnlichem Maß, ist Ihnen vorübergegangen und wir haben die rinnenden Tage, immer entfernt, nur mit unserer herzlichen Theilnahme begleiten können. Da ist denn unser Wunsch an diesem Tage, dass Ihnen das neue Jahr alle Segnungen der Freude erhalten, die des Schmerzes verklären, sänftigen, und Ihr edles Ge¬müth frei u sorglos gestalten möge. Uns aber möchte es vergönnt sein, wieder einmal stille Tage mit Ihnen zu verleben, in denen Alles, was die Seele im Rückblick u in der Hoffnung bewegt, auch die mitfühlenden Her¬zen vereinigt. Mich dünkt als ob viele Jahre vergangen wären, dass wir Sie nicht gesehen, Ihre Worte und Ihre Hand nicht gehört; Ihre Hand u Ihre Seele, von der es, wie von des Königs Harfe heißen mag:
„Kein Ohr so stumpf, so kalt kein Herz,
das nicht erglomm bei ihrem Ton.“
Im rollenden Wechsel der Tage u des Geschicks, in dem Begegnen zahl¬reicher Menschen, Erlebnisse, Genüsse u Bestrebungen, sehnt sich das Gemüth immer nach jenen wenigen tiefsten Menschen, mit denen es sich, auch bei aller Trennung und nach zeitlich flüchtigen Berührungen, ver¬bunden fühlt; und Sie wissen, theure Freundin, dass Ihnen so für allezeit verbunden sind Ihre getreuen Freunde
Lazarus

  Absender: Lazarus, Moritz (916)
  Absendeort: Alt-Schönefeld
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
270f.
 



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