19.12.2019

Briefe



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ID: 19162 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 22.05.1869
 

d. 22. Mai 1869
Meine verehrteste Frau Schumann!
Wie dankbar bin ich Ihnen – und meine Tochter mit mir –, daß Sie inmitten Ihrer mannigfachen u so heiligen Pflichten noch Muße gefunden haben, Sich mit Ihren Gedanken u mit der That mit uns zu beschäftigen. Daß Ihre Bemühungen mit einem für uns so erfreulichen Resultate gekrönt sind, erhöht natürlich auch unsre Dankbarkeit. Frl. Schönerstedt ist natürlich von Herzen willkommen in unserm stillen Monrepos, wo wir Alle selbst so einfach sind, dß sie keinerlei Bedenken wegen ihrer Toilette zu haben braucht. Ich will nur hoffen, daß ihrer Wesenheit eine solche Einsamkeit nichts Drückendes haben möge. Ich würde mich sehr freuen, könnte sie sich entschließen, bald zu kommen, da ich mir denke, daß sie dann diesen Aufenthalt am esten [sic] mit dem auf der Weinburg vereinigen kann, wohin die Fstn v. Hohenzollern wohl nicht so früh wird gehen können, da sie jetzt bald, so viel ich weiß, ihre Tochter erst in Wochen pflegen will.
Was nun das Honorar betrifft, so muß ich Sie bitten, mir dieses ganz einfach Selbst zu bestimmen, da ich gar nicht weiß, was das Richtige wäre; ich würde es dann meiner Tochter sagen, sobald Sie die Güte gehabt haben, es mir zu schreiben.
Ich kann gar nicht genug aussprechen, welchen Werth ich darauf lege, daß meine Tochter für ihre musikalischen Studien wieder eine tüchtige Anleitung erhalte. Ich wage kaum sie zu entmuthigen, indem ich ihr sage, wie sehr ich bei ihr Rückschritte bemerke. Bei Allem aber was man treibt, muß man stets den vollen Ernst hineintragen – besonders was man mit solcher Freude treibt – es wirkt dieß auf den ganzen Menschen zurück. So freue ich mich denn doppelt, auch in der Seele meiner Tochter auf diese ihr eröffnete Aussicht; – ich hoffe nur, wie gesagt, daß Frl. Schönerstedt es bald ermöglichen kann, uns die Freude zu bereiten. Da ich nicht Fl. Schönerstedt Adresse kenne, muß ich nochmals um Ihre gütige Vermittlung bitten, durch welche ich eine um so freundlichere Theilnahme für die Studien meiner Tochter von Seiten der Fl. Schönerstedt gewiß sicher sein darf.
Mit welcher innigen Freude u Dankbarkeit ich an den Tag zurückdenke, den Sie die Güte hatten, uns zu schenken, – dieß bedarf wohl nicht erst einer Versicherung. Mit diesen Gefühlen der Dankbarkeit u Verehrung, denen ich auch für meine Tochter hier einen Ausdruck geben soll, bin ich, verehrteste Frau Schumann
Ihre sehr ergebene
Marie Fürstin Wied

  Absender: Marie, Fürstin zu Wied (1011)
  Absendeort: Monrepos
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
352f.
 



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