23.11.2019

Briefe



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ID: 19812 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 09.05.1869
 

Verehrte Freundin.
Ich bringe es nicht über mich, an Ihr Häuschen, das ich sonst nur freudigen Herzens betrat, nun zaghaft anzuklopfen, unsicher des meiner harrenden Empfangs; ich bin dem Zufalle fast dankbar, daß es meiner Reise zu Ihnen äußere Hinderungen in Gestalt einer Martha in den Weg legt. Und doch verlange ich nach der Stunde, welche die Dissonanz, die zwischen uns nicht andauernd Platz greifen soll und kann, harmonisch löst. Was ich Ihnen zu sagen habe, ist in zwei Worten, in einem herzlichen Willkomm gesagt.
Kommen Sie morgen zur Probe! Die herrlichen Klänge des ersten Chores tönen wie Friede und Versöhnung; finden wir uns wieder auf dem Alles vereinigenden und aussöhnenden Boden unsrer Kunst! Ich bin seit gestern so gehoben, so ruhig, so erhaben über dem Wirrwarr des Lebens, daß mir nur noch ein freundliches Wort aus Ihrem Munde fehlt, mich ein langentbehrtes Gefühl innerer Harmonie wiederfinden zu lassen! In alter herzlicher Treue Ihr
Hermann Levi.

Carlsr. 9.5.69.

  Absender: Levi, Hermann (941)
  Absendeort: Karlsruhe
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 542f.
 



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