19.12.2019

Briefe



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ID: 21730 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 13.11.1890
 

Frkf. d. 13 Nov. 90,
Liebes Fräulein,
herzlichen Dank für Ihrer liebe Karte, die mir Freude machte, und ganz übereinstimmend mit einigen anderen Nachrichten, die ich von Berlin erhielt, lautete. Die Kritiken sind freilich etwas kühl, doch, das kennt man wie es geht, wenn eine Anfängerin in dieser Carriere keine Reclame und keine Besuche an Kritiker macht! – Nun, ich hoffe, sie macht ihren Weg, und hört nicht auf zu lernen. Es fehlt ihr ja noch Manches, was die Reife des Lebens bringt – so hoffe ich wenigstens.
Am selben Abend, als Sie Ilona hörten, spielte ich hier (nach 1 ½ Jahren zum ersten Male wieder mit Orchester) im Museum das Chopin’sche Concert. Die Aufregung vorher war furchtbar, dann aber am Abend fühlte ich mich höchste inspirirt, und es gelang vortrefflich. Die Aufnahme war eine ganz enorme, wahrhaft ergreifend für mich. Ob es das letzte Mal war? ich dachte es! Es ist mir übrigens doch gut bekommen, d. h. besser als ich fürchtete.
Ich muß schließen. Julie schreibt jetzt immer viel über Musik – ist das Ihr Einfluß? – Die Eltern leben nun wieder zusammen wie es eben
geht! – Wie geht es Ihrem Neffen? ich hörte mit herzlicher Theilnahme von Ihrer großen Sorge! –
Getreu, wenn auch eilig, Ihre
Clara Sch.

Sie sind wieder hergestellt – wie schön.
Gruß der lieben Freundin.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
234ff.
 



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