15.07.2019

Briefe



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ID: 21744 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 29.08.1891
 

Salzberg d. 29 Aug. 1891
Liebe Mathilde,
Dank für Ihre lieben Zuschrifften, die so voll Ihres Wohlwollens für mich sind, wie Sie selbst. Wir hatten jetzt 3 wunderbare Tage, da habe ich denn den ganzen Tag draußen gesessen. Heute richten sich aber die Schlechten wieder zurecht! ich bin auch wieder etwas gegangen, freilich nicht ganz ohne Wirkung, aber wenig.
Viel haben wir an Sie gedacht, an das Mißgeschick, daß Sie gerade an den Tagen, wo es so herrlich war, mit den Stunden in Berlin beginnen mußten! das war hart! –
Die arme Frege ist nun erlöst – es hat mich tief betrübt! sie war meine älteste Freundin und treueste Kunstgenossin. Wir lebten unser ganzes Leben hindurch in größter Harmonie in unseren Anschauungen des Lebens wie in der Kunst – wir waren begeistert für das Höchste, gleich abgestoßen durch unsere ganze Zeitrichtung, die Demoralisation in der Kunst! – Der Verlust einer so übereinstimmenden Seele ist sehr schwer.
Wie fehlen Sie uns, liebe Beiden! wir spielen jetzt Abends wieder Halma und Puff wie in Franzensbad, das Whist wäre uns aber lieber! –
Also am 3ten Sept. wollen wir fort, nach München (Marienbad) dann Heidelb, Sie wissen Alles, am 10 oder 11ten hoffen wir unsere theuere Eugenie wieder zu umarmen.
Wenn wir wieder zu Haus sind, hören Sie von mir.
Seyn Sie Beide auf das Wärmste gegrüßt, auch von Marie, die es mir eben dictirt, und bleiben Sie gut
Ihrer
treu ergebenen
Clara Schumann.

Es geht mir leidlich. Wir hatten viel Besuch die Tage.
Kokle’s habe ich nicht mehr gesprochen – ich glaube, ich war ihnen nicht sympathisch.
Verzeihen Sie die vielen Kleckse, das Tintenfaß war so voll – sonst nicht sein Fehler! –

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Obersalzberg
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 261ff.
 



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