19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 22679 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 26.03.1859
 

Sonnabend früh.

Daß ich Dir doch nur schreiben kann von unsern Concerten hier ist mir sehr schmerzlich liebe Clara! Ich bin leider so unwohl, daß ich den <größt> kleinsten Theil der Freude nur genießen kann. Eine arg geschwollene Backe (u. Hals) nimmt mich arg mit. Der Donnerstag Ab. lief gut u. schön ab. Das [sic] J. u. St. gerufen wurden versteht sich, aber auch mir geschah das u. Heute lesen wir schon die höchst anerkennde [sic] Recension m. Werks von Heller. Das Concert war <so> enorm besucht. Hunderte konnten keine Karten mehr bekommen. Joachim studirte m. Concert prächtig ein u. spielte wundervoll. Ich weiß nicht was ich grade schreiben soll, es war Alles ganz, wie man’s wünschen kann. Die Hrn. vom Comité z. B. sehr entzückt vom Concert. Die Proben waren sehr besucht. Kurz d. Leipziger Critiken haben nichts geschadet. Hans v. Bronsart war von Hannover herüber gekommen. Ein lieber Mann bei dem ich nur bedaure daß ich für s. Compositionen keine Sympathie fühlen kann. Jetzt gleich ist Probe v. m. Serenade. Wir besetzen d. Geigen zieml. stark. Montag geben wir unser Concert u. vermuthlich ein gutes. Joachim wohnt bei mir, Stockh. bei Avé. Ich wäre außer Rand u. Band vor Lustigkeit wenn mich meine Backe nicht zu ärgerlich machte. Ich muß mich zu sehr in Acht nehmen daß Fieber u. ähnliches nicht kommt. Ich will schließen u. schreibe nächstens mehr u. ausführlicher. Schicke auch Recensionen mit! Schreibe bald. Es ist weiß Gott Unrecht daß du [sic] Dir zum 3ten Mal schreiben läßt was du mit erleben müßtest! Herzlich Dein Johannes.

Liebe Freundin! Ich schreibe einen Gruß an Johannes Zeilen, um auch ein sichtbar Zeichen zu geben, wie gerne wir Sie als Dritte im Musikerbunde mit hier hätten und wie oft wir Ihrer gedenken. Joh’s Concert gieng recht gut und Musiker wie Zuhörer waren entschieden dafür – gegnerisch lange Ohren giebts freilich überall neuen Erscheinungen gegenüber; ich kann nur sagen daß ich die entschiedenste Freude habe hierhergekommen zu sein. Ich muß gleich in die Serenaden-Probe; ich dirigire auch Montag. Dienstag reise ich wieder zurück und werde von Hannover aus über unsere Soirée mit dem liebenswürdigen Stockhausen berichten und Ihren letzten, sehr lieben Brief ordentlich beantworten. Für heute mit herzlichem Gruß
J. J.

  Absender: Brahms, Johannes / Joachim, Joseph (3171)
  Absendeort: Hamburg
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
452-455
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.