15.07.2019

Briefe



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ID: 22898 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 01.04.1891 bis: 30.04.1891
 

Wien, April 1891. [?]

Liebe Clara,

ehe mein Schreibe-Tempo es zu einem Danke für Eure lange Gastfreundschaft bringt, ist schon Anlaß zu neuem Danke da. Frl. Geißler schickt mir den Tabak, ich finde es gar liebenswürdig von Frl. Marie, an diese meine Schwäche gedacht zu haben, und danke von Herzen. Sonst gibt es von mir kein Abenteuer zu erzählen. Desto mehr leider von Widmann. Er hat in Nürnberg (in einen Weinkeller steigend) das linke Wadenbein gebrochen, mußte zunächst im Hotel liegen bleiben und jetzt wohl Wochen zu Haus! Lustig ist nur dabei, daß er grade bei dieser Reise zum ersten Mal den Einfall hatte, sich gegen Unfall hoch zu versichern! So kriegt er doch alle Unkosten heraus.

Mir ist, wie gesagt, nichts passiert; hier ist alles wie sonst, und die Reise war sehr behaglich, da am Karfreitag wohl nicht leicht jemand reist. Frau Speyer hatte den Einfall, mir ein Schachtel Datteln mitzugeben und dachte wohl nicht, wie großes Pläsier ich daran haben würde. Mit so vielem Behagen und so angenehm beschäftigter Fantasie habe ich nicht leicht gefrühstückt, wie jeden Morgen von Tagesgrauen an.

Recht oft kommt mir der Gedanke, daß das Wetter bei Euch wohl noch unfreundlicher ist, als hier, und Du noch immer Hausarrest haben wirst?! Möge Euch denn wenigstens zunächst ein schöner Mai am Comer See beschieden sein! Beste Grüße allen, und möchte der Dritte nicht zu weit über das Weltmeer zu reisen haben, nur etwa bis Zypern oder Ceylon!

Herzlichst

Dein

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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