23.11.2019

Briefe



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ID: 22901 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 01.08.1891 bis: 31.08.1891
 

Ischl, zweite Hälfte August 1891.[?]

Liebe Clara,

In Deinem lieben Brief hat mich alles mögliche sehr erfreut, Dein freundliches Lob der Quartette; namentlich aber auch, daß Dir die Herrschaften so sympathisch waren. Da bin ich denn überzeugt, daß dies bei längerem Zusammensein und bei Ihnen im Schloß erst recht der Fall wäre. Zu genieren hast Du Dich dort in gar nichts. Mittag und Abend kannst Du auf Deinem Zimmer essen und dazu Dich im letzten Moment entschließen. Wagen sind selbstverständlich jederzeit bereit, und im Schloß kannst Du Dich tragen lassen (die Herrschaften wohnen im 2. Stock, Du aber, wie ich, parterre). Diese unsere Wohnungen sind aber nicht nur überaus schön und prächtig, sondern auch so behaglich, wie Du Dir's nur einbilden kannst, höchst angenehm die (reichliche) Kerzen- und Lampenbeleuchtung, Aussicht in den Park und so weiter. Ich glaube nun nicht an diese Freude für mich - sonst aber wüsste ich natürlich gern, welche Zeit Dir am besten passen würde.

Falls Joachim kommen könnte und möchte (es könnte ja die Mitwirkung in einem Konzert damit verbunden sein), würde ich Hausmann dazu einladen lassen. Andernfalls denke ich wohl an Heermann und Becker. Den Klarinettisten dort zuhören, wäre Dir ein Erlebnis, ein Gaudium, du würdest schwelgen, und ich hoffe, meine Musik soll Dich darin nicht stören!

Da heute schönes Wetter ist, so wird Herr Wendt sich aufgemacht haben und wahrscheinlich mit diesem Brief in Berchtesgaden ankommen!

Sehr freute mich zu hören, daß es Frau von Herzogenberg besser geht, auch indirekt hatte ich lange nichts erfahren, und ich selbst gewöhne mich, zu verzichten auf Korrespondenz mit Ihnen. Ja, der Ehrgeiz! Es sieht eigentlich allmählich bei Ihnen aus wie bei X... Für mich machen bei beiden die sonst so liebenswürdigen Frauen den Verkehr unmöglich. Beide Frauen werden immer fanatischer für die Arbeiten des Mannes, und nun kann man doch auch in viel günstigerem Fall nicht zu einem Künstler über sein Werk sprechen und vielleicht disputieren - wenn die Frau zuhört - von Mitreden zu schweigen. Mit den Männern allein wollte ich fertig werden und wie gern mich dann des Umgangs mit den Frauen erfreuen!

Nun aber Grüße Marie, Vossens, Frau Franz, Frl. Wendt und alle möglichen, allerherzlichst.

Dein

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Ischl ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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