19.12.2019

Briefe



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ID: 23232 Brieftext


Geschrieben am: Montag 04.11.1878
 

Frankfurt a. M., den 4. November 1878.

Lieber Johannes,

mit diesem gehen einige Korrekturen an Dich ab. Du siehst, wie ich von Deinem freundlichen Anerbieten Gebrauch mache. Ich habe die Korrekturen durchgesehen, und bitte Dich noch um die allerletzte Durchsicht. Sonderbar ist, daß bei Op. 12 Stücke außen und innen: Stuecke steht?! Sehr bitte ich, daß Du alle Portos notierst, die Du auslegst, denn sonst kann ich Dir nichts mehr schicken.

Seit wenigen Tagen bin ich von Leipzig zurück. Es war ein wunderschönes Fest, schöner als ich es mir je gedacht hätte, ich hatte eigentlich immer Furcht davor gehabt, und nun war es wirklich ein herrliches, ungetrübtes Freudenfest für mich. Welche Liebe ist mir von allen Seiten entgegengetragen worden! Das mußte mich über alles hinwegtragen, ich fühlte mich wahrhaft erhoben und beglückt. Daß Du, einmal auf der Reise, und nachdem das Hauptkonzert in Dresden vorüber war, nicht kamst, was ich bis Donnerstag immer noch leise hoffte, war mir eigentlich unbegreiflich, und daß ich unter so vielen herzlichen Ansprachen, die mir von nah und ferner Stehenden wurden, die Deine missen mußte, verstand ich auch nicht und war mir leid, doch habe ich dabei das beruhigende Bewußtsein, es durch nichts hervorgerufen zu haben, und kann nur denken, es gibt doch verschiedene Naturen.

Wir haben nun Felix bei uns, was recht schwer in mancher Beziehung ist, aber doch auch wieder eine große Beruhigung für uns. Sein Zustand geht immer auf und ab, im allgemeinen ist es sehr schwach. Wie schwer ist es, dabei zu arbeiten, und doch muß ich es als mein Glück erachten, daß ich es kann.

Laß bald von Dir hören, auch wie es Dir in Breslau ergangen. Hier war neulich, gerade wie ich in Leipzig war, Deine Symphonie, und hat großen Erfolg gehabt. Ich glaube, Müller wird sie noch einmal aufführen.

Ich habe ganz enorm viel zu tun, und so schließe ich heute, füge noch herzlichen Gruß bei.

Wie immer

Deine

getreue

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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