25.02.2022

Briefe



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ID: 23243
Geschrieben am: Sonntag 12.10.1879
 

Frankfurt a./M., den 12. Oktober 1879.
Lieber Johannes,
mit diesem Brief an Dich habe ich lange gezögert, er muß aber geschrieben sein, auf die Gefahr hin, Dich zu erzürnen. Mir ist mit den Novelletten noch eine Möglichkeit eingefallen, auf welche Weise „5 und 6“ hineingekommen sind. Es kann nämlich sehr gut sein, daß mein Mann die Nr. 8 mit den vielen Zwischensätzen auf verschiedene Blätter geschrieben und also den Anfang der Nr. 8 mit 1, das erste Trio mit 2, die Wiederholung mit 3, das zweite Trio mit 4, die Fortsetzung mit 5 etc. bezeichnet hat und beim Abschreiben aus Versehen die zwei Nummern 5 und 6 stehengeblieben sind. Ich bin durchaus dafür, diese Nummern ganz wegzulassen. Es ist ja offenbar, daß mein Mann das Nr. 8 mit der Fortsetzung und Fortsetzung und Schluß gespielt haben wollte. Es führte zu weit, wollte ich noch mehr für meine Vermutung vorbringen. Mündlich käme man da ja eben viel weiter.
Aus beiliegendem Briefe ersiehst Du, wie sehr Härtels daran liegt, daß die Revision möglichst schnell vor sich gehe, und Du siehst, daß es ihnen gar nicht darauf ankommt, nur die Werke aus ihrem Verlag zu bekommen, sondern überhaupt alles. Ich muß Dir wiederholen, daß diese Sache so schwer auf mir lastet, daß ich jetzt nur den einen Wunsch habe, so bald als möglich mich derselben zu entledigen. Einem alten Menschen wie mir leichten Sinn zu verschaffen, ist nicht mehr möglich. Die Werke, die zu schicken (an Härtels) Du mir neulich schriebst, waren schon abgegangen, Op. 5 und 6 hast Du noch.
Ich finde nun die Arbeit für Dich in jedem Falle sehr zeitraubend und meine, es wäre doch das beste, Du wärest nur letzte Instanz, und ließest einige andern immer erst vorarbeiten. – Ich möchte sehr gern Franck darin beschäftigen . . . Woldemar hat mir auch wiederholt gesagt, daß er gern mitarbeiten will, und so würde ich denn die Arbeiten, besonders die Orchesterwerke, an diese zweie verteilen. Bitte, sage mir nun recht bald, aber nicht im ersten Zorn, Deine Meinung. – Wenn Du Dir überlegst, daß ich eben doch nicht viel mehr zu leben habe, so mußt Du meinen Wunsch, die Arbeit so schnell wie möglich getan zu haben, begreifen. Du weißt ja auch, was überhaupt so vieles an mich kommt, und die Elastizität zu unausgesetztem Arbeiten mit dem Alter auch nachläßt, kurz, erwäge dies alles! Vielleicht kömmt Dir dann doch eine andre Ansicht der Sache. Die Briefe von Härtels hätte ich gelegentlich gern zurück . . . .
So sei denn schließlich von uns allen aufs herzlichste gegrüßt. Wie immer
Deine
Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
Empfangsort: Wien
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 3
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Johannes Brahms und seinen Eltern / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-014-8
1535f.

  Standort/Quelle:*)
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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