25.02.2022

Briefe



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ID: 2977
Geschrieben am: Montag 08.04.1850
 

Ew. Wohlgeboren!
Verehrtester Herr!
nachdem mich diesen Nachmittag ein Herr wegen Daguerrotipie nach¬fragend beehrte, und mir Hoffnung auf von mir sehr gewünschte Ar¬beit in Aussicht stellte, machte mich meine Frau nach deßen Entfernung auf Bemerkungen aufmerksam, wonach ich; zumal nachdem ich deshalb noch ein nicht besonders illustrirtes Portrait, daß ich besitze zu Rathe zog; sogleich erkanndte Ew. Wohlgeboren bei mir gesehen zu haben! Ich bedaure dieß nicht gleich gewußt zu haben, erlaube mir aber nie nach Nahmen Anfragender zu bitten. Schon für Ihre Humanität von Berlin aus sich eines wirklich Bedrängten zu erinnern, würde ich Ihnen meinen in¬nig aufrichtigen Danck ausgesprochen haben, während ähnliche Versuche hier Erfolglos und unbeantwortet blieben. Die Zeit wo mein Knabe allein Confirmation und Abendmal in dürftigen Sachen genoß, ist vorüber, wie doch Alles Endlich ist. Nur 3. Wochen noch, bis wohin mir sichre Hülfe durch Herren Lehmann & Co in Moskau dazu wird, daß ich Anfangs May nach |2| Carlsbad reisen kann, um dort durch gute Arbeit in Portraitiren, meinen sehnlichsten Wunsch im August nach Neuy[ork] auswandern zu können zu erfüllen, habe ich umso härtere Sorge zu überwinden, als hier jetzt Niemand daran denkt, selbst so billig sich portraitiren zu laßen. Mei¬ne Lage ist aber deshalb um so härter, als ich hier um auf Hülfe rechnen zu können ganz unbekannt bin, und um nicht ganz zu sink[en,] zumal da ich noch den Zinß von Weinachten┌bis jetzt┐schuldig bin unsern Mangel verbergen muß. Kurz ehe Sie mich beehr[ten,] wurde ich überzeugt ein erwartetes Honorar auf schon gelieferte 3. Portraits erst in 14 Tagen zu erhalten, mir ist dadurch wie gewöhnlich auch Morgen der Mangel Ge¬fährte, doch bin ich dieß hier gewohnt. Ich erkenne dankbar Ihre Güte, mehrere Portraits zu befehlen und ich werde sie zu Ihrer Zufriedenheit ausführen, doch würde es mir besonder[s] lieb sein, wenn auch Sie zu einem Portrait sitzen wünsch[ten,] bei dieser Gelegenheit erhielt auch ich dero Original Portrai[t,] denn ich ergreife jetzt jede Gelegenheit, getrofene Portrai[ts] großer, auch in Amerika geschätzter Männer zu samme[ln.] Entschuldigen Ew. Wohlgeboren diese Belästigung, die ich jedoch auf Ihre humane Theilnahme dankbar |3| schuldig bin.
In größter Hochachtung
Ew. Wohlgeboren
dankbarster Diener
Ottomar Herzberg
Dresden d. 8t April 1850.

  Absender: Herzberg, Ottomar (689)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
1319 f.

  Standort/Quelle:*) PL-Kj, Korespondencja Schumanna, Bd. 21 Nr. 3878
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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