25.02.2022

Briefe



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ID: 329
Geschrieben am: Sonntag 22.04.1838
 

Leipzig, den 22sten April 38.
Mein lieber Krägen,
Eine äußerst heftige Erkältung hat mich so angegriffen, daß ich kaum ein Glied rühren kann. Daher nur wenig. Jedenfalls aber soll bis zum 27sten etwas in Ihren Händen sein, wenn nicht frisch Componirtes, was mein Unwohlsein nicht zuläßt, so doch etwas Passendes Älteres. Vorrath hab ich genug und vieles in der letzten Zeit fertig geschrieben.
Nun aber besitz ich ein Albumblatt von der Majorin, das aber durch das Herschicken so sehr zerknittert ist, daß man an einem Geburtstage damit nicht kommen kann. Diesen Brief erhalten Sie morgen (Montag) – Dienstag kann ich dann wieder Antwort u. ein neues wohl einzurollendes Albumblatt von Ihnen (jedenfalls eine Antwort) und Mittwoch spätestens Donnerstag Sie wieder das Scriptum in Händen haben. Sela. |2| Auch für Originalhandschriften werde ich sorgen, so es keine Eile hat. Was ich von den mir zugeschickten entbehren konnte, habe ich leider gerade vor acht Tagen Alles verschenkt. Wollen Sie Einige zum Geburtstag, so schreiben Sie es mir. Vielleicht bringe ich noch etwas auf.
Für Ihre Theilnahme an meinen Compositionen danke ich Ihnen; sie thut mir manchmal Noth, da ich nur wenig darüber sprechen höre. Doch gesteh ich drängt es mich oft so zum Schaffen, daß ich s auch mitten im Meer auf einer einsamen Insel nicht laßen könnte. Sie werden vieles Neue von mir noch in diesem Jahre zu sehen bekommen. Es strömt mir manchmal über jetzt, weiß nicht. wo ich aufhören soll. Sie macht mich ganz glücklich diese Kunst. Kennen Sie die Davidsbündlertänze? Schrei¬ben Sie mir ein gutes Wort darüber, wie man |3| es von Ihnen zu hören gewohnt ist.
Die „Nacht“ ist auch mir das Liebste. Später habe ich die Geschichte von Hero u. Leander darin gefunden. Sehen Sie doch nach. Es paßt alles zum Erstaunen. Liszt, der in Wien ist, soll die Phantasiestücke zum Entzücken vom Blatt gespielt haben; namentlich das „Ende vom Lied“.
[Wie] habe ich Ihre Zwillinge-Drillinge [zu] verstehen? Schreiben Sie mir ein Wort.
In diesem Jahre hoffe ich Sie gewiß zu sehen; binnen acht Wochen hoffe ich nach Dresden zu kommen.
Von Henselt weiß ich gar nichts. Es ärgert mich, daß mir seine Frau seit nun 8 Wochen noch nicht geantwortet.
Nun, Adieu Lieber! Vergessen Sie den 28sten nicht und mir gleich zu antworten.
Von Herzen
Ihr
R. Schumann

|4| Eilt.
Sr. Wohlgeboren
Herrn Musiklehrer Carl Krägen
in Hrn. Meser’s Musikhandlung
zu erfragen
in
Dresden

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Krägen, Carl (863)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 22
Robert und Clara Schumann im Briefwechsel mit Korrespondenten in Dresden / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Carlos Lozano Fernandez und Renate Brunner / Dohr / Erschienen: 2021
ISBN: 978-3-86846-032-2
95-98

  Standort/Quelle:*) D-DÜhh; s: 88.5001
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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