19.12.2019

Briefe



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ID: 3798 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 17.09.1841
 

Geehrtester Freund,
mein Zeitungsunternehmen hat einen guten Fortgang; Becker hat mich indeß auf eine Idee gebracht, die recht sehr in Erwägung gezogen zu werden verdient: Bei Ihnen nemlich anzufragen, ob Sie vielleicht geneigt sind, mir Ihre Zeitung käuflich zu überlassen. Es versteht sich von selbst, dß ich mich in diesem Falle von hier wegwenden würde. Der Raum ist viel zu beschränkt, als daß ich Ausführlicheres mittheilen könnte, sind Sie geneigt, auf meinen Vorschlag einzugehen, so komme ich denn nach Leipzig, um das Nähere zu besprechen. Jetzt will ich Ihnen nur einige Hauptziele andeuten.
1.) ich halte den Plan meiner Zeitung für neu, u geeignet, eine noch bestehende Lücke auszufüllen; ich würde ihn darum nicht aufgeben, sondern in Einklang mit Ihrer Zeitung zu setzen suchen, was recht wohl angeht. Beide Verleger müßten dann gemeinschaftliche Sache machen, was gleichfalls recht wohl thunlich ist.
2.) Außer dem Musikblatt soll meine Zeitung noch ein Literatur- u Unterhaltungsblatt, jenes von Marggraff, dieses von Fischer redigirt, enthalten. Die Abnehmer Ihrer Zeitschrift würden das Musikblatt auf Verlangen allein erhalten, während die Uebrigen das Ganze nehmen müssen.
3.) Ich würde allerdings das Blatt nicht ganz in der von Ihnen verfolgten Richtung fortführen können; aber ich glaube, dß dieser Uebelstand unter jeder Bedingung vorhanden ist, denn ich weiß Niemand, der dazu geeignet wäre. Jeder Redacteur muß seine Eigenthümlichkeit der Zeitung aufdrücken. Haben Sie die Redactionsgeschäffte beseitigt, u fällt das Schreiben müssen weg, so glaube ich übrigens, dß wieder Lust zum Schreiben in Ihnen erwachen wird, u. Sie können dann immer noch Haupterscheinungen besprechen. Endlich
4.) Ich glaube, dß man jetzt, um der Kunst zu nützen, nicht allein für Künstler, sondern zugleich auch für das größere, aber gebildete, Publicum schreiben muß. Wenn auch die Künstler das Bessere einsehen, so haben doch nur wenige den Muth zu einer nachdrücklichen Opposition. Man muß sich an das Publicum selbst wenden, um verkehrte Bestrebungen u Wünsche zu vernichten. Auf diese Weise könnte vielleicht neues Leben vorbereitet werden. etc
Ich erlaube mir, Sie um baldige Nachricht, wenn auch zunächst nur darüber, ob Sie geneigt sind, mir Ihre Zeitung zu überlassen – denn das Weitere wird sich dann wohl bald finden – zu ersuchen. Mit der Bitte, mich Ihrer Frau Gemahlin zu empfehlen
hochachtungsvoll
Ihr
Fr Brendel
Freiberg. Freitag.
Sr. Wohlgeboren
Herrn Dr. Schumann
Red. der Zeitschrift für Musik
in
Leipzig
frei

[BV-E, Nr. 2029, dat. 17. September 1841]

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Freiberg
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
220f.
 



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