15.07.2019

Briefe



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ID: 3836 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 18.11.1841
 

Ew. Wohlgeboren,
übersende ich hiermit einen schriftlichen Versuch, welcher vielleicht einen Platz in Ihrer Zeitschrift finden dürfte. Bei der allgemeinen Verbreitung Ihres Blattes in der musikalischen Welt könnte dieser Artikel eine Beachtung hoffen, welche um so wünschenswerther wäre, als das behandelte Thema das Interesse des Tages entschieden anregt. Zugleich will ich die eigennützige Absicht, welche diesem Schreiben zu Grunde liegt, nicht verbergen. Seit einer Reihe von Jahren vollendete ich unter Leitung des Herrn Professors Marx meine musikalischen Studien und es scheint mir an der Zeit, jetzt in die Öffentlichkeit zu treten. Die Schwierigkeiten dieses ersten Schrittes, wie der Wunsch, einen guten Verleger zu finden, gaben mir den Gedanken, mir Ihre Viel vermögende Fürsprache bei einer Leipziger Verlagshandlung zu erbitten. Zu dem Ende erhalten Sie beiliegende Compositionen. Was Sie davon für passend halten, wie die Reihenfolge der opera, falls sich alle Ihres Beifalls erfreuen sollten, endlich die Bedingungen des Verlags, überlasse ich ganz Ihrer gütigen Wahl und Prüfung. Das Zeitgemäßeste würden wohl die Lieder aus den Gedichten eines Lebendigen sein, während die Pianoforte-Compositionen ihrerseits mehr die musikalische Durchbildung zeigen. Sollte der Aufsatz Ihren Beifall finden, so bin ich gern erbötig, ähnliche Artikel für Ihre Zeitschrift auszuarbeiten und habe schon eine Abhandlung über Styl in der Musik begonnen, auch ein Thema, bei dem viele alten [sic] Vorurtheile auszurotten sind und eine ganz neue Anschauungsweise gegründet werden muß, welches also für den Character Ihres trefflichen Blattes paßt.
In der Hoffnung, daß Sie mich Ihrer freundlichen Unterstützung nicht unwürdig halten werden, habe ich die Ehre, mich zu nennen
Ew. Wohlgeboren
ergebenster
Gustav Heuser.

Berlin d. 18 Novr. 1841.

P. S. Sollten Sie den Aufsatz nicht aufnehmen können, so ersuche ich Sie freundlich mir denselben möglichst bald zurück zu schicken, damit ich anderweitig darüber disponiren kann. Meine Wohnung ist Berlin, Karlsstr. No 10a.

Folgendes sind die beikommenden Compositionen:
1) Sechs Lieder aus den Gedichten eines Lebendigen.
2) Drei Rondo’s für das Pianoforte.
3) Drei Lieder und eine Scene und Arie.

hiebei ein Paquet, gezeichnet H No 1.
Herrn Dr. R. Schumann
Redacteur der neuen Zeitschrift
für Musik
Wohlgeboren
Leipzig.
frei

  Absender: Heuser, Gustav (697)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 217f.
 



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