19.12.2019

Briefe



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ID: 4087 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 08.06.1841
 

Lieber Schumann!
So eben erhalte ich Ihren Brief vom 7ten mit dem remittirten Manuscript. Er enthält eigentlich gar keine Antwort auf meinen letzthin an Sie gerichteten, aber wenn Sie Musik im Kopf haben, ist das verzeihlich, wenn auch nicht redacteurlich. Einen Bericht was „während meiner Abwesenheit“ in Berlin geschehen ist, kann ich nicht mit machen, ohne mich dabei zugleich den Angriffen einiger guter Freunde bloszustellen. Ich will aber, wenn Ihnen viel daran gelegen, Dr. Wentzel bitten so etwas abzufassen. Ich selbst weiß in der That nicht, wo ich den Stoff u. die Notizen dazu hernehmen soll. Ueberdieß könnte ich auch nur ganz historisch, nicht kritisch dabei verfahren, wenn ich mich nicht lächerlich machen wollte.
Ihre Meinung, als seien seltene musikalische Berichte über kleine Orte ganz uninteressant theile ich nicht so ganz. Wenn’s dann u. wann mal vorkommt kann’s der Zeitung nur förderlich sein, u. reisende Künstler erfahren doch wie’s da u. dort steht mit den musikal. Kräften. Beikommender Bericht aus Rußland dürfte namentlich in dieser letztern Beziehung interessant, ja von wesentlichem Nutzen sein. Können |2| Können Sie ihn indeß nicht ganz u. bald aufnehmen, so bitte ich ihn mir gefälligst gleich zurück zu schicken, was ich übrigens gar nicht übel nehmen werde. Sie haben also ganz freie Hand.
Hirschbach habe ich noch gar nicht zu Gesicht bekommen. Taubert geht’s gut, er hat vier Mädchen, lauter Tauben. Meyerbeer ist sehr munter u. freundlich. Prume’s Augen sind außer Gefahr, was man von seinem musikal. Geschmack leider nicht sagen kann. Mad. Bargiel hab’ ich vor mehren Tagen besucht, aber nicht getroffen. Sie kommt auch nicht zu uns, wie sie versprach, als ich hier vor 3 Wochen eintraf. Scheint sehr beschäftigt zu sein. Grüßen Sie recht sehr Ihre liebe, werthe Frau von mir. Schlesinger sagt sie wäre jetzt geistig und körperlich eine Vereinigung von Pauline Garcia u. Clara Novello. Wunderbarer Unsinn! Marx hat sich in der Schilling-Geschichte gräßlich blamirt, ich traute ihm nie; allein Zuccalmaglio u Hr. Franz Commer haben in der Finkschen sich auch einen hübschen Skandalbrei eingerichtet. Wie kann Wedel8 seine Hand zu solchen Dingen herleihen. Pfui Teufel! Einen neuen Brief über Berlin schicke ich sehr bald. Ihr alter
F. H. Truhn
Berlin d 8 Juni 1841.
8. Juni 1841 859
Ihr Brief ist wieder kaum zu lesen!!!

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 858-860
 



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