19.12.2019

Briefe



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ID: 4852 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 26.12.1844 bis: 14.02.1845
 

Geehrtester Freund,
Ganz gemüthlich und getrost wanderte ich Freitag Nachmittag in Ihre Wohnung, um Sie zu besuchen; zwar hatten Sie mir gesagt, daß Sie Freitag abreisen würden, aber Notteboom, den ich einige Zeit vorher gesprochen hatte, bemerkte, daß Sie bis Mondtag bleiben würden. So kam es, daß ich mich nicht beeilte, u nachher bedauern mußte, Sie nicht getroffen zu haben. Beifolgend übersende ich Ihnen 15 rl, für Schrank u Bett; der Angabe Ihrer Frau Gemahlin gemäß 3 rl für Bett, u 12 rl für Schrank. Noch befinde ich mich in besonderer Verlegenheit. Sie waren so gütig, mir zu erlauben, mehrere Tage in Ihrer Wohnung zubringen zu dürfen. Ich nahm dieß sehr gern an, weil ich glaubte, dß mir Ihre Wirthschafterin berechnen würde, was sie für mich auszugeben hatte. So schien es auch anfangs; bei meinem Weggange jedoch wollte sie nichts von Zurückerstattung wissen. Sie würden mich daher sehr verbinden, wenn Sie sich von der Wirthschafterin den Betrag wollten sagen lassen, u mich darüber benachrichtigen, bin ich Ihnen doch Dank schuldig für die freundliche Ueberlassung der Wohnung.
Von Liedern zur Kritik ist noch nichts da; sobald etwas vorhanden ist, werde ich es Ihnen übersenden. Mein Programm wurde Freitag vor 8 Tagen ausgegeben. Ankündigungen haben schon in einer Reihe von Zeitschriften gestanden. 60 Briefe an Verleger sind gleichfalls ausgeschickt worden. Die Briefe an die Mitarbeiter sind sämtlich fort. Eine andere, besonders abgedruckte Ankündigung, welche anderen Zeitschriften beigelegt werden soll, wird jetzt ausgegeben.
Mit freundschaftlichster Hochachtung
Franz Brendel

Leipzig den 26ten Decemb.

So lange hat der Brief gelegen; ich wartete immer auf eingehende Lieder; Jul. Becker mit seinen häufigen Reisen ist eigentlich schuld, weil er noch einen Stoß hatte, den ich immer nicht bekommen konnte usw. Erhalten Sie durch Meser 3 Exempl. der Zeitung? Bitte um Antwort. Meser lamentirt über das Schicken der Zeitung zu Ihnen. Jetzt erscheint mein Sie betreffender Aufsatz. Ist er auch noch mangelhaft u läßt Vieles unberührt, so habe ich doch das Bewußtsein, dß Niemand mit mehr Lust zum Eingehen u Aufmerksamkeit Ihrer Entwicklung gefolgt ist. Theilen Sie mir gefälligst mit, was Sie über die Zeitung zu bemerken haben. Daß jetzt mit J. Becker nichts anzufangen ist, macht eine kleine Störung. Ich muß neue Recensenten suchen. Sind Sie jetzt geneigt, etwas zur Recension zu übernehmen? Unter den gegenwärtigen Umständen müßten Sie freilich Zeit u Lust haben, sich möglichst bald darüber zu machen.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
232f.
 



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