15.07.2019

Briefe



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ID: 5339 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 07.07.1839
 

Berlin d 7 Juli 1839
Lieber Schumann!
Sie werden beikommenden Artikel, von dem Sie das Kopfende schon haben vielleicht lange liegen lassen müssen, da der Hirsch-Bach sich wohl längere Zeit durch die Beethoven-Gebirge schlängeln wird, aber da es mal fertig, so will ich’s nicht bei mir liegen lassen, Sie könnten vielleicht eher davon Gebrauch machen als es jetzt scheint. Sollten Sie es für nöthig halten mehr als einzelne Wörter etc. zu streichen oder zu ändern, so bitte ich mir den Aufsatz lieber zurück um ihn für Kühne oder Mundt zu zustutzen. Die Correctur in der „Neuen“ ist so gut, daß man nicht erst darum bitten darf. Vom X Bande habe die letzten No. nebst Beilage richtig erhalten, aber die Nummern 43, 44, 45, 46, also auch mein Phantasiestück nicht. Wenn ich auch schon die beiden Nummern die mir aus dem 9ten Bande fehlen entbehren will, da mein Buchbinder den Band ohne Weiteres bereits gebunden, so kann ich doch dieser 4 Nummern unmöglich entrathen, und bitte sie mir bald möglichst, aber ganz bestimmt mit Nächstem nachsenden zu wollen. Vorgestern kommt mein letzter Brief den ich unterm 25 Januar an Escudier schrieb und in dem ich wie in den frühern entweder um Geld, oder Rückgabe des Manuscripts bat, unerbrochen retour, und ich muß eine Masse unnützes Porto bezahlen, was mir jetzt grade sehr angenehm sein mußte. Haben Sie schon Schritte in dieser Angelegenheit gethan, lieber Schumann? Wo nicht, so bäth’ ich dringend darum, da ich sonst bedauern müßte Ihrer Aufforderung an mich, für Mr. Escudier zu arbeiten, Folge geleistet zu haben. Ich verlange mein Manuscript jetzt gleichviel ob es benutzt ward oder nicht, mit 6 Stück Louisd’or bezahlt wie ich Hr. Escudier in meinem ersten Brief schrieb, und auf welche Forderung er es nicht, wie ich verlangte, remittirt hat, weil ihm das zu kostspielig wäre. Es ist aber nur ein Honorar wie es Rellstab von der Gazette musicale zieht, und mit dem ich mich in dieser Art Schriftstellerei denn doch wenigstens messen kann. Ich bitte Sie recht sehr lieber Freund mir zu meinem Gelde zu verhelfen; am besten geht’s vielleicht durch Maurice Schlesinger. Ich kann mir aber keine Kosten machen, da mein remittirter Brief schon 2 Franc’s verschluckt hat, die mir der verdammte Franzose auch ersetzen muß. Die Abfertigung des Anonymen im Eremiten vergaß ich neulich beizulegen, sie ist fort, wir haben nichts daran verloren. Vielleicht unterbrechen Sie Hirschbach’s Aufsatz nach dem ersten Quartett, und geben meinen dann schnell hintereinander fort. Stehen Sie mit Härtel gut? warum erhalt’ ich keine Antwort wegen Undine? Sollten die Leute den Scherz mit den Musikhändlern übelgenommen haben? Das wär doch zu dumm! –
Mein Freund Alberti, jetzt Domprediger in Marienwerder ist eben hier um über Leipzig an den Rhein zu gehen. Er hofft Sie zu sehen u. zu sprechen; das letztere wird nicht leicht sein. Wo steckt denn Ihr Portrait von Kriehuber, hier sieht man keins? Wollen Sie mir nicht Geschenk damit machen? Ich will Sie inmitten der Clara, Pauline, Wilhelmine und Maria Felicitas aufhängen: – einen süßern Tod gibt’s nicht. Taubert ist heut früh mit seiner ganzen Familie abgereist, – ich weiß nicht wohin. Adieu! Bester
Ihr
F. H. Truhn.

Wird schon an der nächsten Musikbeilage gestochen, oder kann man noch was besseres einsenden, was schon daliegt? Bitte Antwort.
Spontini kommt am 11 d. M nach Berlin zurück.

[BV-E, Nr. 1306:] mit B. Klein.

  Absender: Truhn, Friedrich Hieronymus (1602)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.17, S. 800ff.
 



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