15.07.2019

Briefe



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ID: 6854 Brieftext


Geschrieben am: Montag 05.10.1840
 

Herrn Dr. Rob. Schumann Wohlgeboren

Geehrter Herr Doctor!

Wenn gleich mit der größten Achtung für Sie erfüllt, habe ich mich Ihnen doch wenig genaht; theils aus angeborener Ängstlichkeit und Befürchtung Jemandem lästig zu erscheinen, theils auch weil ich glaube man mache sich eben wenig aus den Besuchen meiner unbedeutenden Persönlichkeit. Vielleicht denke ich hierin zu befangen, und hätte mich Ihnen mehr nahen sollen, zumal da ich es so gern gethan und mich außerdem durch nichts von Ihrer Seite veranlaßt fühlen konnte es zu unterlassen. Ich bereue es und bereute es oft, mich nicht mehr um Ihre Bekanntschaft und Freundschaft beworben zu haben, jedoch das ist nun zu spät (da ich den Bitten meiner Familie nachgebend mich nach Berlin wende) jedoch nicht zu spät um es zu bekennen. – Ich verlasse Leipzig, wo unser einem, zumal Winters, so viel Schönes geboten wird, höchst ungern und weiß nicht was mich dort in Berlin dafür entschädigen wird, ausgenommen des freundlichen Familienlebens zwischen den Meinen. Indeß die Verhältnisse erfordern es so und ich kann nicht dagegen an kämpfen. Dieses Alles hätte ich Ihnen gerne mündlich vorgetragen, aber ich liege seit 14 Tagen an einer Halsentzündung darnieder, welche mich daran verhindert. Die Genesung geht so langsam vorwärts, daß ich nicht hoffen darf vor Donnerstag, als an welchem Tage ich mit meinen Verwandten nach Berlin abreisen sollte und wollte das Haus verlassen zu können. Ich sehe mich daher genöthigt, mich schriftlich bei Ihnen zu beurlauben, welches ich sonst gerne in Person gethan hätte, und zugleich die höfliche Bitte an Sie ergehen zu lassen, mir für Berlin ein paar Schreiben mitgeben <geben> zu wollen. Vielleicht sind Sie mit Taubert und Hubert Ries soviel bekannt, daß ein paar Zeilen von Ihrer Hand an jene Herren dazu dienen könnten mich
lei[cht] bei ihnen zu introduciren. Ich würde eine Gefälligkeit dieser Art gebührend zu schätzen wissen und mich bemühen, Ihnen meine Dankbarkeit stets dafür an den Tag zu legen.
Wollen Sie meine Bitte gütigst beachten, so wer[de] ich mit Ihrer Erlaubniß Mittwoch früh zu Ihnen schicken, um mir die Papiere holen zu lassen, wenn ich nicht bis dahin so weit hergestellt bin dieselben in Person abzufordern.
Mit dem Wunsche für Ihr ferneres Wohlergehen schließe ich, zugleich um geneigtes freundliches Andenken bittend und bleibe wie stets Ihr
Ihnen achtungvoll ergeben
Heinr. Lemcke.

V. H. Octob. 5. 40.

Sr Wohlgeboren dem Doctor
Herrn Robert Schumann
Hier.

  Absender: Lemcke, Heinrich (12758)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  SBE: II.19, S. 665f.
 



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