23.11.2019

Briefe



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ID: 7542 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 15.01.1871
 

Düsseldorf d. 15 Jan. 1871.
Liebe, verehrteste Freundin,
nur ein Dankeswort möchte ich Ihnen noch zurufen, ehe ich nach England absegle. Nach allem Guten haben Sie mich zuletzt noch so herzlich durch Ihre lieben Zeilen erfreut! – Es war mir so leid, daß ich Sie nicht mehr sehen konnte, aber mein Unwohlseyn war höchst peinlicher Art. Dieser Zustand des Gehörs lähmte gänzlich alle Thatkraft in mir, kaum, daß ich mich zu einem Briefe entschloß. Gott sey Dank geht es jetzt wieder besser – ich kann Ihnen nicht sagen wie dankbar ich dies empfinde. Mir war die letzten Male, wo ich Musik hörte, als haben mir die Töne nie so schön geklungen. Nachdem ich mehrere Wochen fast Alles, was ich spielte, falsch und verzerrt hörte, genieße ich jetzt jeden Ton mit Wonne. Wolle Gott mir nicht das Schwerste auferlegen! Sie werden nun Ihren lieben Mann wieder zu Haus und hoffentlich wohl haben! Herzlichstes ihm wie Ihnen, auch Frl. Ernestine, von Marie auch!
Ich schreibe Ihnen meine Londoner Adresse: 14 Hyde Park Gate, Kensington. Wollen Sie sie benutzen, so erfreuen Sie dadurch innigst
Ihre
alte, treu ergeb
Clara Schumann.

Entschuldigung für die Flucht dieser Zeilen – ich bin enorm beschäftigt jetzt. War in Rotterdam, gehe morgen nach Cöln u. Crefeld, dann am 25t nach London.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Lazarus, Sarah (918)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 206f.
 



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