19.12.2019

Briefe



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ID: 8049 Brieftext


Geschrieben am: Montag 22.11.1841
 

Weimar d. <>22/11 1841.

Liebe Emma
habe Dank für all Deine Liebe und Sorgfalt für meine Kleine, die ich mich schrecklich sehne zu sehen; und doch werde ich mich noch einige Tage gedulden müssen, da so eben die Großherzogin mich einladen ließ, Donnerstag bei ihr zu spielen, was wir nicht gut abschlagen können, obgleich es vom Robert ein großes Opfer ist, was er mir bringt, denn die Zeit drängt, wenn ich in Leipzig Concert geben will. Mir ist es schrecklich daß ich noch so lange warten soll, ehe ich meinen kl Engel wiedersehe. Ich bitte Dich, gehe zu Hanne, bringe ihr beifolgendes Couvert, da hinein sie mir Mittwoch schreiben soll, was meine liebe Marie macht, ob ich mit ruhigem Herzen zurückkehren darf. Der Brief muß aber Mittwoch bei zeiten auf die Post, damit ich ihn Donnerstag bekomme, denn Donnerstag Nacht reisen wir ab und sind Freitag Mittag in Leipzig. Hanne soll für Etwas zu Essen sorgen – eine gute Fadennudelsuppe, einen kleinen Rinderbraten oder Kalbsniere, Kartoffelsallat, mit Rabinschen darauf und damit punctum. Mit dem Baden der Kleinen sollen sie sich um des Himmelwillen in Acht nehmen, <>daß sich die kleine wilde Hummel nicht an das Köpfchen stößt, ferner sollen sie ja immer ordentlich lüften, Rese soll nicht verschlafen sein in der Nacht, soll sich vorsehen wenn sie ausfährt – man könnte nie fertig werden, wollte man Alles aufs Pappier setzen, was ein besorgtes Mutterherz in jeder Secunde empfindet. Vielleicht legst Du ein paar Zeilen bei? Doch, ich will nicht unbescheiden sein! –
Wir kommen nicht zu <> uns selber, so häuft sich Einladung auf Einladung! das gestrige Concert ist glücklich abgelaufen; ich habe etliche Bravo’s und dergl eingeerntet, und wurde sehr lebhaft empfangen. Die Feder schreibt zu fürchterlich, jeden Buchstaben muß ich 2 mal machen – das ist zu viel für ein volles Herz. Darum Adieu!
Grüße Deine Lieben und Carls sage, ich ließe danken für ihren freundlichen Brief.
Meiner Kleinen tausend und abertausend Küsse und einen recht freundschaftlichen Dir
von
Deiner
Clara S.

Eilig
Fräulein
Fräulein Emma Meyer.
in
Leipzig.
Abzugeben bei dem
Herrn Kaufmann
Meyer in der
Reichstraße.
Fr.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Weimar
  Empfänger: Meyer, Emma, verh. Leppoc, Emma (13948)
  Empfangsort: Leipzig
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
217ff.
 



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