23.11.2019

Briefe



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ID: 821 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 03.07.1839
 

Den 3ten July 1839.

Euer Wohlgeboren

verzeihen, daß ich mich schon wieder an Sie wende. Aber es steht die Ehre, das ganze Lebensglück zweier Menschen, die sich verdienen um dessen willen was sie gelitten, auf dem Spiel, und ich möchte durchaus noch einmal mit Ihnen alles und jeden einzelnen Punct ausführlich besprechen. Bestimmen Sie mir gefälligst eine Stunde, die Sie mir schenken können. Sollte nur der leiseste Zweifel in Ihnen vorwalten, daß wir am Ende nicht durchdrängen, so verschweigen Sie mir ihn nicht. Klara würde in Verzweiflung kommen, wenn es uns nicht gelänge auf diesem öffentlichen Wege, und was soll ich von mir sagen! Dann, wenn Sie zweifelten, müßten wir auf einen andern Weg sinnen, zum Ziel zu gelangen, worüber ich freilich selbst noch nicht klar bin. Zweifeln Sie aber nicht an einem günstigen Erfolg, so beruhigen Sie mich darüber und nehmen Sich der Sache so kräftig an, wie es das ausgezeichnete Mädchen würdig ist. Was Hr. W. gegen mich vorbringen könnte, weiß ich ohngefähr voraus zu sagen. Wahrscheinlich erwähnt er eines älteren Verhältnisses mit einem Mädchen, die früher in seinem Haus lebte und die mich liebte, wie ich ihr auch sehr zugethan war. Einer Verbindung mit ihr stellten sich aber <> Schwierigkeiten entgegen, die ich nicht beseitigen konnte, so daß wir uns schon im Januar 1836 gegenseitig lossprachen; sie ist übrigens jetzt verheirathet. Dies steht denn doch also mit unserm Verhältnisse in gar keiner Berührung mehr. Was Sie sonst von Hrn. W. über mein Privatleben vielleicht hören, das er gegen mich aussagt, so ist es im höchsten Grade verläumderisch und böswillig. Einige lustig durchschwärmte Nächte, bevor ich Klara kannte, ist alles was ich mir vorwerfen könnte. Vielleicht lernen Sie mich selbst noch genauer kennen. Sonst wüßte ich aber keinen Einwand, den die Gegenparthei vorbringen könnte. Es handelt sich also hauptsächlich um die Vermögensumstände, von denen ich Ihnen die Documente eingehändigt habe, und wobei ich nur noch erwähne, daß ich nicht etwa Schulden habe, ausgenommen vielleicht jene kleinen häuslichen, die man erst nach Monatsfrist zahlt und die sich mit zwanzig Thalern decken laßen. Was Hrn. W. so feindselig stimmt, glauben Sie mir, es ist nichts als das Fehlschlagen mancher namentlich finanziellen Speculation, die ihm durch die Verbindung entgehen [sic]. Gewiß wird er auch auf eine Entschädigungssumme klagen für die Clavierstunden, die er seiner Tochter gegeben. Noch möchte ich Ihre Meinung wißen, ob wir in der Verzeichnung meines Einkommens nicht auch des Erbtheils, was mir vom Verkauf der meinem verstorbenen Bruder angehörigen ziemlich bedeutenden Buchhandlung mit Haus pp. zu kömmt, gedenken sollen, wie auch ob ich Beglaubigungen meiner kleinen Einkünfte (von Compositionen und der Redaction eingesandten Musikalien, jährlich zusammen gegen 300 Th. wenigstens) mir verschaffen soll, was schnell gemacht ist. Freitag oder Sonnabend muß ich zu einer Familienzusammenkunft nach Zwickau in unsern Erbschaftsangelegenheiten. Wäre es Ihnen irgend möglich, unsere Eingabe an das Apellationsgericht [sic] bis dahin zu vollenden, daß ich es noch lesen könnte, so bitte ich Sie dringend darum. Sie können nicht glauben, mein verehrtester Herr, wie mich das Alles angreift, und werden mir meine öfteren Störungen gütigst verzeihen.
Mein Bote wartet auf Ihre Antwort, wenn ich Sie heute auf eine halbe Stunde zu Hause treffe.
Stehen Sie teilnehmend bei
Ihrem
ergebensten
R. Schumann.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Einert, Wilhelm (414)
  Empfangsort:
  SBE: II.19, S. 350-353
 



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