19.12.2019

Briefe



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ID: 8458 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 07.04.1852
 

Düsseldorf d. 7 April 1852
Meine theuere Frau Reinick,
sind Sie mir bös, daß ich so lange auf Ihren lieben, rührenden Brief schweigen konnte? ach Nein, Sie sind so sanft und gut, daß Sie mir gewiß verzeihen, umsomehr, als ich es einigermaßen verdiene, da gar Vieles sich vereint, mich immer am Schreiben zu hindern. Für’s erste haben Sie, liebe Freundin, unseren innigsten Dank für Ihr liebes theueres Andenken, das uns doppelt werth ist, als wir es als einen Liebesbeweis auch Ihres seligen guten Mannes ansehen. Wie tief uns die Schmerzensnachricht von seinem Tode erschüttert hat, kann ich Ihnen nicht sagen, und lange Zeit konnte ich Ihr liebes Bild nicht aus meiner Seele bannen, denn Ihr großes Leid vermag ich zu ermessen, besitze ich doch selbst einen über Alles geliebten Mann!
Möge Ihnen der Himmel Krafft und Trost geben, all das Bittere zu tragen! – Welch große Stütze Ihnen Bendemanns und Hübner sind, kann ich mir von diesen herrlichen Menschen denken, doch das Verlorene vermag ja Niemand zu ersetzen! – Um aber wieder auf die Lieder zu kommen, so hatte mein Mann sich bereits die in dem Buche befindlichen musikalisch geeigneten Lieder ausschreiben lassen, als wir das Ganze von Ihnen erhielten.
Er wird gewiß bald Einige componieren, wenn wir erst etwas zur Ruhe wieder gekommen sind. Durch Frau Bendemann wissen Sie gewiß,
daß wir in Leipzig waren; nachdem wir zurückkehrten, fand hier wieder eine große Aufführung statt, die uns viel Zeit kostete an Proben u. dergl, und in den nächsten Tagen steht mir noch ein schlimmer Umzug (der Dritte, seit wir hier sind) bevor, indem unser Hauswirth plötzlich das Haus verkauft, und wir somit Dasselbe verlassen müssen. Verzeihen Sie, liebe Frau Reinick, diese für Sie so unwichtigen Mittheilungen, doch, ich denke, sie sollen mich einigermaßen vor Ihnen des Verdachtes der Undankbarkeit reinigen.
Recht sehr bedauere ich, daß wir Ihren Wunsch betreffs der Scizzen zur Genovefa nicht erfüllen können; mein Mann fand keine Solchen, und glaubt Dieselben Ihrem seligen Manne zurück gegeben zu haben; sollten sie sich aber doch noch finden, so sende ich sie Ihnen augenblicklich.
Hier haben wir recht viel von Ihnen gesprochen, und groß ist die Trauer aller Freunde Ihres theueren Mannes; auch hier genoß er, wie überall, wo man ihn kannte, die innigste Liebe und Verehrung, mit ihm aber auch sein sanftes, liebes Weib! seyen Sie mir in treuer Freundschaft und großer Verehrung umarmt, und bewahren Sie ein freundschaftliches Erinnern
Ihrer
Clara Schumann.

|3–2| Darf ich Sie bitten, Bendemanns und Hübner’s, so auch Ehrhardt’s herzlich zu grüßen, und ihnen zu sagen, wie bitter es mir war Ihnen Allen so nahe zu sein, und doch nicht sehen zu können – es ging aber nicht, da uns die Zeit zu knapp zugemessen war.
Mein Mann sendet Ihnen die freundschaftlichsten Grüße und den innigsten Dank für Ihr Gedenken.
Ihrer lieben Schwester möchte ich mich auch freundlich empfohlen wissen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Reinick, Marie (1245)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
831ff.
 



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