19.12.2019

Briefe



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ID: 8507 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 27.03.1853
 

Geehrter Herr,
Ihr Brief hat mir viel Freude gemacht. Leider kann ich ihn nicht in englischer Sprache beantworten, die ich wohl verstehe, nicht aber schreiben kann. Aber es ist ein Glück, daß wir eine Sprache kennen, eine ideale, die allen Völkern gemein ist, die Musik nähmlich. Ich bin sehr erfreut, daß auch in Ihrem berühmten Land meine Compositionen Anklang zu finden anfangen; ich erhalte davon dann und wann ein Zeichen. Wäre es mir bald vergönnt, Ihrem Land einen Besuch abzustatten. Ich hoffe, daß es sich bald erfüllt, schon im nächsten Jahr vielleicht. Vieles, was mich in der musikalischen Reproduction auf das innigste erfüllt, ist auf englischem Boden gewachsen. Das "Paradies und Peri" von Th. Moore [op. 50], Ouverture und Musik zu Manfred von Byron [op. 115] u.A. Namentlich möchte ich die "Peri" Ihren Landsleuten vorführen. Vielleicht habe ich dann auch das Vergnügen, Sie persönlich zu begrüßen. Was nun die Stelle in meinem Concertstück anlangt, so ist sie ganz richtig gedruckt. Aber sie hat etwas Scharfes, was indeß im Zusammenspiel mit dem Orchester sehr gemildert wird. An dem Interesse, da Sie an diesem modulatorischen Passus nehmen, sehe ich übrigens, daß Sie vortrefflicher Musiker sind, dessen Bekanntschaft gemacht zu haben mich sehr freut.7Auch für die Nachricht der Aufführung meiner Symphonie in B in Windosr Castle bin ich Ihnen sehr dankbar. Schon früher war es mir zur Kunde gekommen durch eine deutsche Prinzessin Hohenlohe, daß I.[hre] M.[ajestät] die Königin oft von meinen Liedern sänge, was zu hören freilich nur wenigen Auserwählten vergönnt sein wird.
Wir haben in Düsseldorf vom 15ten Mai an ein großes Musikfest, an dem u. A. die große Passionasmusik von S. Bach, die 9te Symphonie von Beethoven u. A. aufgeführt werden. In wenigen Stunden kann man von London hierher gelangen. Haben Sie nicht vielleicht Lust dazu herüber zu kommen? Dies sollte mich sehr freuen.
So sage ich Ihnen denn nochmals Dank für die erfreuende Botschaft, die Sie mir mitgetheilt, und bitte um ferneres Andenken. Ihr
Ergebener
Robert Schumann

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Chipp, Edmund T. (302)
  Empfangsort: London
 



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