15.07.2019

Briefe



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ID: 8655 Brieftext


Geschrieben am: 24.02.1855
 

Liebe, verehrte Freundin,
so eben entscheidet es sich, daß ich mit Joachim Montag d. 26ten nach Danzig komme, und nun habe ich eine recht unbescheidene Bitte. Könnte ich vielleicht bei Ihnen wohnen? ich beanspruche durchaus kein eigenes Zimmer; wenn ich mit Ihnen sein darf, und Nachts ein Bett auf ein[em] Sofa habe, so ist’s gut. Ich reise nämlich dies Mal (unter Joachim’s Schutz) allein, bin aber in Gasthöfen die Nacht sehr furchtsam – daher meine zudringliche Anfrage. Da wir nun aber spät Abends (ich glaube um 10 Uhr) erst in Danzig ankommen, so hätten Sie vielleicht die Güte mir (und für Joachim zugleich auch) ein Zimmer [für die eine Nacht] im besten Gasthofe zu bestellen, und uns Jemand auf den Bahnhof zu schicken, der uns sagt, wo wir absteigen – wir kennen keinen Gasthof dort. Zu erkennen sind wir am Bahnhof leicht durch Joachim’s Violine, die er immer bei sich hat.
Ich weiß es, meine verehrte Freundin, Sie entschuldigen freundlich meine Dreistigkeit, die ich nicht gewagt hätte, wären Sie und Ihr seliger theuerer Mann nicht immer so lieb und gütig gegen uns gewesen.
Herzlichst Sie grüßend verbleibe ich
Ihre
wahrhaft ergebene
Clara Schumann.

Berlin d. 24 Febr. 1855.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Berlin
  Empfänger: Reinick, Marie (1245)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.6, S. 833f.
 



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