19.12.2019

Briefe



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ID: 8921 Brieftext


Geschrieben am: Montag 19.10.1857
 

Berlin d. 19 Octbr 1857.

Liebster Joachim,

Zehn Mal wohl habe ich das Programm (aus Ihren Dreien) zusammengesetzt, und immer wollte es nicht gelingen. Ich bin mit der D moll Sonate Roberts im ersten Concert nicht einverstanden, eben so wenig die A moll, und sehe nicht ein, <wie ich> was für Solo’s vom Robert, würdig genug, ich wählen sollte. Darum (dachte ich es am besten,[)] im ersten Concerte Nichts von Ihm. Ich schicke Ihnen nun wiederum zwei Programms und bitte um Ihre Meinung. Ich denke, wenn wir das Programm zwei Tage vor dem Concert ankündigen ist’s früh genug. Der Vater schreibt mir, meine Schwester soll gern singen, und im zweiten Concerte, ohne Welches wir nicht fortkönnen, ein Duo mit mir spielen. Ich kann nicht „Nein“ sagen, es geht nicht. Er ladet mich dringend ein bei Ihm zu wohnen, ich thue das aber keinesfalls – ich will doch wenigstens einige ruhige Stündchen mit Ihnen genießen, was doch nur möglich, wenn ich im Hôtel wohne; zwar bin ich nicht allein, da Nettchen Junge mit mir reist, aber ich weiß, Diese genirt uns durchaus nicht. Daß Sie mich aber nicht hier abholen, betrübt mich recht; ich habe ein Zimmer für Sie und Johannes so <> gemüthlich wie möglich eingerichtet, und soll nun, wer weiß wie lange, warten, ehe ich einmal die Freude habe, Einen von Euch darin zu sehen! – Ich vermuthe hinter Ihrer Weigerung einen anderen Grund, doch dann muß ich Ihnen sagen, daß Arnim’s noch nicht hier sind, und wohl auch noch nicht kommen, da Gisela krank war, jetzt nun zwar hergestellt, jedoch noch zu schwach ist hierher zurückzukehren. So höre ich von Grimms. Sie wissen, ich dränge nie gern meine Freunde, wollen Sie also nicht kommen, so muß ich mich bis auf Wiedersehen in Dresden gedulden. Im Hôtel de Saxe wohnen wir (da wir das Concert dort geben) wohl am bequemsten. Wollen Sie mir darin ein (nicht zu kleines) Zimmer mit zwei Betten bestellen, so ist mir’s sehr recht. Sobald ich den Tag des Concerts weiß, schreibe ich Ihnen meine Ankunft genau. Ich freue mich sehr auf unser Zusammenseyn, und in der Bildergallerie müssen Sie mich belehren, darauf freue ich mich auch. <> Wie sehr bedarf ich endlich einmal wieder geistiger Anregung – ich habe zu schreckliche vier Wochen verlebt. Denken Sie, daß ich erst seit zwei Tagen wieder das Clavier berührt habe; noch weiß ich gar nicht, wie ich im Concert bestehen soll. Das Concert Roberts bringen Sie wohl mit? oder soll ich’s? ich freue mich sehr darauf, kurz auf Alles, was durch Sie und mit Ihnen kommt. Vielen Dank, lieber Joachim für Alles und so viel Liebes in Ihrem Briefe! Schreiben Sie mir bald Genaues!
Ihre Cl. Sch.

Woldemar kann nicht mitkommen. Er grüßt. Wollen Sie mich bald wegen des Programms wieder benachrichtigen.
1tes Programm.
1ter Theil.
1. Kreutzer-Sonate.
2. Gesang.
3. Suite in E dur – Bach (mit den Tänzen) (die Ganze doch?)
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Zweiter Theil
<4>
4. Variationen Es dur (Eroica) Beethov.
5. Gesang.
6. Trio G dur v. Haydn.
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1 <Kreutzer-Sonate> Adur Sonate v. Mozart.
2 Gesang
3 Etudes symphoniques
––––
4 Edur Suite für Geige; Prelude, Loure, Gavotte, Menuetten, Bourré,
Guique
5 Gesang.
6 Kreutzer-Sonate.
2tes Programm.
1ter Theil.
1. Sonate A dur – Mozart.
2. Ciaconne von Bach.
3. Gesang
4. Suite G moll von Händel
Ouvertüre und Presto
Andante
Allegro
Sarabande
Gigue
Passacaille.
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Zweiter Theil. 5. Praeludium und Fuge für Viol allein (C dur oder G moll?[)]
6. Gesang.
7. Kreutzer-Sonate.
––––––––––

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
355-358
 



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