15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 9467 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 22.08.1865
 

Baden-Baden d. 22 Aug. 1865.

Lieber, verehrter Freund,
ich hätte Ihnen schon früher für Ihren lieben Brief gedankt, hätte ich Ihnen nicht zugleich meinen Entschluß betreffs meines Ludwig’s mittheilen wollen. Zu Diesem bin ich aber erst gestern nach langen Kämpfen gekommen. Ich habe auf einstimmiges Anrathen Aller, die meinen Ludwig kennen, ihn in die Lehre zu einem Buchhändler in Carlsruhe gebracht; für ihn war, glaube ich jetzt selbst, der Weg in’s practische Leben der beste. Ich brachte ihn zu einem jungen Mann, der sich Mühe mit ihm geben wird, was vielleicht in einem größeren Geschäft kaum möglich wäre. Ihr Brief, lieber Herr Voigt, war mir eine große Beruhigung, und drücke ich Ihnen recht von Herzen die Hand dafür. Was Sie mir aber von sich schreiben, das betrübte mich, ich hätte Ihnen so sehr eine entschiedenere Besserung gewünscht, (ich freute mich nur, daß Sie Ihre liebe Familie immer so um sich haben konnten). Der lieben Ottilie und ihrem Manne sagen Sie doch ja meinen besonderen Gruß; ich kann nie an diese Beiden denken, ohne mich in meine seligste Zeit zurückversetzt zu fühlen, und wollte nur ich könnte recht oft mit ihnen sein, denn hat auch der Anblick eines solchen Glückes immer viel wehmütiges für mich, so thut er mir doch im Innersten wohl. Gott erhalte ihnen das Glück! –
Hier geht es den ganzen Sommer lebhaft genug zu, ich aber habe mich ganz zurückgezogen, lebe nur meinem Hause, und einigen lieben Freunden. Ich kann unmöglich nach monatlichen Reisen auch noch hier der Welt leben, wo mir jede Stunde im Hause kostbar ist. Augenblicklich ist Joachim mit Frau8 hier, was uns eine große Freude ist<>, leider nur gießt es seit mehreren Tagen unaufhörlich.
Nun, lieber, verehrter Freund, will ich Ihnen Adieu sagen. Ich hoffe das liebe Jettchen vergißt nicht uns bald wieder Nachrichten von Ihnen zu geben – möchte es doch Besser werden!
Herzliche Grüße Allen und vor Allem Ihnen von Ihrer innig dankbar ergb
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Voigt, Carl (1627)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 164f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.