25.02.2022

Briefe



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ID: 9481
Geschrieben am: Freitag 14.10.1864
 

Baden-Baden d. 14 Octbr. 1864.

Liebster Joachim,

nun haben Sie uns doch nicht geschrieben wie der Kleine heißen wird? er wird doch nicht etwa Georg genannt? Nun einstweilen bin ich nur froh, daß bei Ihnen Alles wohl ist, und nun gar, daß die liebe Ursi schon wieder ausgegangen. Ich habe eigentlich gar keine Lust gleich von Concerten anzufangen, mir ist, als hätte ich sonst so viel zu plaudern, aber ach, ich bin ja jetzt wieder einmal wie ein gehetztes Wild, schreibe täglich 6–8 Briefe, und was kommt sonst Alles! Von den Herren in Braunschweig hatte ich heute Brief, sie schlagen mir verschiedene Tage vor, Keiner paßt mir, überhaupt macht es mir unglaubliche Mühe die Concerte in Gang zu bringen, so daß sich gut Eines an das Andere reiht. Aber Ihr Vorschlag mit dem 26ten Nov. paßt sehr schön, da ich am 22ten in Bremen spiele, am 2ten Dec. in Hamburg. Bitte also um den 26ten, über das Programm schreibe ich Ihnen dann später – ich kann doch nicht gut Drei Ensembles spielen, die Leute verlangen doch auch einige Solonummern. Aber mit Braunschweig, was haben Sie da gemacht? nun sind Sie doch auf kein Honorar eingegangen, und ich soll wieder solche Freundschaft annehmen? muß ich mir daraus nicht ein Gewissen machen, lieber Freund? nun, ich spreche noch mit Ihnen darüber mündlich. Sobald ein Tag (ich habe mehrere vorgeschlagen) gewählt ist, theile ich es Ihnen gleich mit. Ich bitte Sie aber auch dringend um ein Wort, ob ich auf den 26ten Nov. bei Ihnen rechnen kann, denn oft bringt mich die Zögerung einer Antwort, und ist es nur um einen Tag, in die peinlichste Unruhe, und namentlich gerade jetzt, wo für diese selbe Zeit Einiges schwebt, also bitte 2 Worte. Johannes ist am Montag abgereist, nachdem wir die letzten <schön> Wochen schön verlebt, theils in Musik, theils in der herrlichen Natur, den Wäldern, in Denen wir viel herumgelaufen. So eben kam mit Ihrem Briefe auch von ihm Nachricht aus Wien – ich glaube, hätte er nicht seine Sachen in Wien gehabt, er wäre hier geblieben den ganzen Winter – er hatte so große Lust dazu. Mündlich bald mehr – wie freue ich mich darauf!
Tausend Grüße Ihnen und Ursi von
Ihrer
alten
Cl. Schumann.

Haben Sie noch keine Photographie von dem Kleinen?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
786f.

  Standort/Quelle:*) D-Zsch, s: 6470-A2
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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