25.02.2022

Briefe



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ID: 9490
Geschrieben am: Samstag 12.11.1864
 

Düsseldorf d. 12 Nov. 1864.

Liebster Joachim,

ich muß Sie wieder belästigen mit meinen Concert-Angelegenheiten, da die Zeit für Hannover und Braunschweig heranrückt. Bitte, sagen Sie mir nur durch zwei Worte wer in Hannover alles besorgen wird? Sie sind nicht da, und die Soiree muß doch 8 Tage vorher annoncirt werden, Programme festgestellt ect. Bitte, übergeben Sie es Jemand, damit alles zur rechten Zeit geschieht. Aber daß nun Ihre liebe Ursi wieder in Braunschweig singen will, so sehr es mich freut, so sehr beunruhigt es mich, wirklich, liebster Freund, ich kann das jetzt doch nicht annehmen! wenn man ein kleines Kind hat ist es mit solchen Extravaganzen doch eine andere Sache! – Ich bin hier recht zwischen zwei Feuern, die Neigung und das Gewissen streiten; überlegen Sie es doch noch ’mal mit ihr, ob es nicht wirklich zu viel, und ob es sie nicht zu sehr anstrengen wird? Mit dem Programm bin ich noch nicht ganz einverstanden; ich bin am Schlusse eines Concertes nicht mehr in der Stimmung für die G dur Sonate v. Beethov, und schlage daher vor, daß wir sie zum Anfang nehmen, und dann die kleine Haydn’sche zum Schluß! was meinen Sie dazu? ich kann am Schlusse eines Concertes kein großes ernstes Werk mehr mit ganzer Frische spielen, noch weniger das Publikum es genießen. Könnte ich Sie nur sprechen, aber es trifft sich alles so unglücklich! am 19ten wo Sie wahrscheinlich nach Aachen gehen, spiele ich in Elberfeld, am 23 in Bremen, kann Sie also nicht in Cöln hören, was mir so große Freude gewesen wäre, auch nicht in Hannover auf der Durchreise sprechen. Sollten Sie aber etwa schon Freitag nach Aachen reisen, dann, bitte, bleiben Sie hier ein Stündchen!? Sagen Sie mir baldmöglichst ein Wort, (ich verlange keinen Brief) und wegen Hannover, mit Wem ich mich dort wegen der Soiree in directe Verbindung setzen kann? – Daß ich Sie noch immer mit meinen Angelegenheiten bemühen muß, ist mir schrecklich, doch ist es vielleicht mit diesem Winter zum letzten Male! Wie lange haben wir uns nicht gesehen – es sollte doch so lang nie währen! Grüßen Sie Ihre liebe Frau und den kleinen Johannes (so wird er doch genannt?) heute ist er schon 2 Monate. Johannes Quintett (Sonate f. 2 Claviere als Quintett für Clavier und Streichinstrumente) hat uns Wonnestunden bereitet in Carlsruhe und Mannheim. Mündlich mehr darüber und über vieles Andere. Adieu. denken Sie Ihrer alten Cl. Sch.

Wenn gehen Sie nach Holland? ich habe eine Bitte, wenn Sie dahin gehen. Spielen Sie in Basel ect?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
791ff

  Standort/Quelle:*) D-Zsch, s: 6471-A2
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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