19.12.2019

Briefe



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ID: 9556 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 29.09.1865
 

Baden-Baden d. 29 Septbr. 1865.

Lieber Joachim,

unsere Briefe haben sich begegnet – herzlich danke ich für den Ihrigen, möchte Sie nun aber bitten mir den Tag wo Sie im Museum spielen mitzutheilen, denn ehe ich Diesen nicht weiß, kann ich nichts einrichten. Mit Berlin bin ich sehr Ihrer Ansicht, daß wir die 2te Hälfte des November nehmen. Was meinen Sie nun, wenn Sie etwa d. 14 oder 15ten Ihr Orchester-Concert geben, wäre dann den 19–20 unsere erste Soirée? Dann ließen wir d. 25ten unsere 2te und Ende Monats eine Dritte womöglich folgen. Sagen Sie mir Ihre Meinung hierüber. Auch wüßte ich gern was Sie lieber thäten, nur immer eine Soiree ankündigen, oder ein Abonnement auf drei Soireen eröffnen? das müßte dann aber freilich schon vor Ihrem Orchester-Concerte bekannt gemacht werden und wäre Ihnen vielleicht nicht lieb? in dem Falle richten wir es ein, daß unsere erste Soiree erst den Morgen nach Ihrem Concerte angekündigt wird. Sagen Sie mir, wie Sie es am liebsten haben, ich richte es dann ein. In Berlin ist der Verwalter der Singacademie, der das Alles besorgt gegen ein Honorar von (ich glaube) gewissen Procenten. Wegen des Orchesters würde ich Ihnen rathen dem Radecke zu schreiben, der ja dann wohl auch Ihr Concert dirigieren würde? wegen des Tages muß man sich an den Verwalter wenden. Er heißt „Schäff.“ Die Singacademie ist jetzt vergrößert worden, folglich passend für ein Orchester-Concert. Sie wissen wohl daß Ullmann 5 Concerte in Berlin angekündigt hat, d. 17, 18 u 28 Octbr und die zwei letzten „wenn er aus Pommern zurückkehrt“! ich denke aber, das wird wohl eher sein als Mitte Nov., denn da soll er schon in Wien sein. Lady Noël hat mir so lieb geschrieben – sagen Sie ihr, wie herzlich ich mich freue sie zu sehen – sie soll verzeihen wenn ich nicht schreibe, aber jetzt weiß ich wirklich ’mal wieder vor Briefen nicht wo aus wo ein. Daher verzeihen Sie das nur geschäfftliche heute in Diesem – lesen Sie recht viel Liebes zwischen den Zeilen, und schreiben Sie bald über meine Fragen, bitte. Von ◊2ganzem Herzen grüßend
Ihre
Clara Schumann.

Elise reist Montag ab, ihre Adresse in Frankfurth ist Neue Mainzer Strasse, 1, bei Frau Hohenämser. Bitten Sie doch die liebe Lady, daß sie mir den Tag ihrer Ankunft hier schreibt, damit ich ihr Zimmer im Bären bestelle. Für einen oder einige Briefe n. Frankfurt wäre Elise sehr dankbar. Der lieben Ursi sagen Sie doch, daß ihr Schirm gefunden ist. Ich bringe ihn diesen Winter mit.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
854ff
 



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