19.12.2019

Briefe



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ID: 9618 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 14.07.1866
 

Baden d. 14 July 1866

Lieber, verehrter Freund,
Sie hatten mir allerdings wegen Ihres lieben Jettchens geantwortet, und, wie Sie denken können, that mir die abschlägige Antwort sehr leid – ich hoffe aber auf den kommenden Sommer, wo man vielleicht mit leichterem Herzen Etwas unternimmt als jetzt. Zwar leben wir hier äußerlich noch ganz ruhig, jedoch nichts desto weniger innerlich erregt. Welch eine furchtbare Zeit ist Diese! Sie können denken, wie mit traurigem Herzen ich gelesen auf wie schreckliche Weise das arme Sachsen heimgesucht worden ist. Daß Sie nun auch um den Aufenthalt in der Schweitzermühle gekommen, thut mir recht leid, da es Ihrer Gesundheit gewiß nöthig wäre, etwas aus der Stadt und den täglichen häuslichen Sorgen herauszukommen. Hier ist es seit etwa 8 Tagen sehr lebendig – die Fliehenden, namentlich aus Frankfurth, sind enorm. Meine Mutter aus Berlin kam vor einer Woche auch mit zwei meiner Schwestern, so mein Sohn, (der Zweite) der nun im Herbst in ein Geschäft treten soll. Leider habe ich noch keinen Platz für ihn – es wird Einem recht schwer, jetzt wo Jeder mit sich und den Seinigen zu thuen hat, mit anderen Angelegenheiten zu beschäftigen. Herr Mendelssohn in Berlin hat mir seine Hülfe versprochen, vielleicht, daß wir ihn in ein Hamburger Haus bringen; bis dahin aber behalte ich ihn hier, er soll sich in den Sprachen fleißig üben, und sich körperlich etwas von dem Stubensitzen erholen. Er wird übrigens, hoffe ich, ein tüchtiger Mensch werden, denn er hat viele gute Eigenschaften gerade für den Kaufmanns-Stand. Bei Ludwig geht es auch etwas besser.
Elise erwarte ich nächste Woche – ich werde Ihren Auftrag an sie gleich ausrichten. Nun aber zu Ihrer Bitte wegen des Bildes meines Roberts. Leider besitzen wir kein Oehlbild sondern nur eine Zeichnung Bendemanns, nach welcher ein gutes Oehlbild herzustellen wohl eine schwere Aufgabe wäre, die gut zu lösen wohl nur ein bedeutender Mahler übernehmen könnte, und das wäre jedenfalls eine sehr kostspielige Sache. Sie können denken, wie froh wir wären, besäßen wir ein gutes Oehlbild, und wie von Herzen gern ich dann Ihren Wunsch erfüllte. Ich erhielt von meiner Schwägerin vor’m Jahre eine Oehlbild Roberts aus frühester Zeit, das ist aber so greulich, daß wir es gar nicht aufgehangen haben. Ihren Brief neulich erhielt ich 4 Tage nach der er geschrieben, so wird es mit Diesem wohl auch gehen.
Nun, lieber verehrter Freund, seyen Sie aufs herzlichste mit all Ihren Lieben gegrüßt, und bleiben Sie immer freundschaftlich gesinnt Ihrer alt ergb
Clara Schumann.

Marie grüßt angelegentlichst.
Ihr Julius hat doch nicht mit in den Krieg gemußt? ich bete zu Gott darum.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
Empfänger: Voigt, Carl (1627)
Empfangsort: Leipzig
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
167ff.
 



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